Der Bilderdienst flickr und gute Alternativen im Überblick

Muffige Fotoalben? Das war einmal. Wer heute digitale Bilder zeigt, tut das im Internet auf Bilderplattformen wie flickr, fotocommunity, Photobucket und 500 px. Doch nicht jedes Portal zur Präsentation seines Portfolios passt zu jedem Fotografen. Wir haben die vier Plattformen getestet.

In wohl keinem anderen Bereich sind die Auswirkungen der Digitalära deutlicher zu spüren als in der Fotografie. In Zeiten billiger Speicher und enorm leistungsfähiger Smartphone-Kameras wird quasi überall und jederzeit fotografiert und das Portfolio präsentiert. Was solche Kameras können, stellen wir Ihnen in dem Beitrag „Bildqualität von iPhone 5S und HTC One im Vergleich“ vor.

Wem der Community-Aspekt wichtiger ist als die Bilder an sich, veröffentlicht bei Facebook oder Twitter, wer von größerem fotografischen Interesse und Anspruch getrieben wird, schließt sich eher einer dezidierten digitalen Fotogemeinde an. Wir haben uns die vier Plattformen flickr, fotocommunity, Photobucket und 500PX zur Darstellung des Bilder-Portfolios näher angesehen – und mussten feststellen: Der Platzhirsch flickr ist in vielen Fällen tatsächlich die beste Wahl.

Tipp: Wie Sie mit der App Photoshop Touch auf dem iPad oder iPhone Bilder nachbearbeiten können, erklären wir in diesem Beitrag.

 

Der Platzhirsch: flickr

Wer sich bei Yahoos Bilderplattform flickr einen Account zulegt, wird Mitglied der größten Fotogemeinde der Welt. Etwa 5000 Bilder werden pro Minute (!) auf die Plattform hochgeladen – was einerseits zeigt, wie enorm die Reichweite von flickr ist, andererseits aber auch die Gefahr birgt, dass die eigenen Bilder im Mahlstrom des gigantesken Upload-Volumens unterzugehen drohen. Aufmerksamkeit ist vor allem jenen Mitgliedern sicher, die sich nicht nur um die Pflege ihres eigenen virtuellen Fotoalbums kümmern, sondern fleißig andere Nutzer als Kontakt markieren und deren Bilder als Favoriten angeben oder mit Kommentaren bedenken.

Ein bisschen läuft’s bei flickr mit der gegenseitigen Wertschätzung nach dem Facebook-Prinzip: Magst du mich, mag ich dich. Andererseits: Um eine wirklich hohe Aufmerksamkeit zu erzielen, muss ein Bild eine hinreichende „Interestingness“ (flickr-Jargon) aufweisen – und die kommt nur zustande, wenn das Werk weit über den Kreis der eigenen Kontakte hinaus geklickt und gemocht wird. Nur in diesem Fall landet das Foto in der Galerie „Neue Fotos“, die für die meisten flickr-Besucher die erste Anlaufstelle auf der Plattform ist.

Blutige Anfänger müssen sich der Veröffentlichung ihrer Schnappschüsse auf flickr aber nicht schämen. Und ambitionierte Lichtbildner finden hier ebenfalls angemessene Gesellschaft. Die flickr-Seite präsentiert sich angenehm bilderbetont, aber auch ein wenig überladen. Dass Seiten wie „500px“ und die „fotocommunity“ ein wenig edler daherkommen lässt sich dank des konkurrenzlosen Upload-Volumens von flickr leicht verschmerzen: Ein Terrabyte Datenvolumen umfasst die Gratis-Mitgliedschaft, was für etwa 350.000 Bilder mit 10-Megapixel-Auflösung reicht. Die Anzahl der wöchentlichen Uploads ist nicht begrenzt und pro Bilddatei sind stolze 200 Megabyte zulässig.

 

Für Anspruchsvolle: fotocommunity

Vor allem im deutschsprachigen Raum ist die fotocommunity eine beliebte Plattform für Fotografen mit Ambitionen und eher konservativer Lichtbildnerei-Auffassung. Das Niveau der gezeigten Arbeiten ist von gehobener Qualität, das Augenmerk der meisten Mitglieder liegt auf technisch einwandfreien Aufnahmen klassischer Sujets – etwa Insekten-Makros, Reisereportagen, Schwarz-Weiß-Aktbilder oder altmeisterlich arrangierte Stillleben.

Über für gelungen erachtete Bilder entspinnt sich oftmals ein kenntnisreicher Austausch, der deutlich über die einsilbig-pauschalen flickr-Kommentare („Awesome!“) hinausgeht. Wer eine intensive Bildkritik wünscht, kann seine Aufnahmen auch in die sogenannte Agora einstellen. Tatsächlich gibt es dort neben den üblichen Lobhudeleien auch unverblümte Kritik und viele zielführende Tipps zur möglichen Verbesserung der eigenen fotografischen Fertigkeiten.

Darüber hinaus veranstaltet die fotocommunity regelmäßig teils recht attraktiv dotierte Fotowettbewerbe. Zudem organisieren sich die Mitglieder vielerorts zu Stammtischen, die Gelegenheit zur Fachsimpelei geben und gemeinsame Fotoausflüge und Reisen unternehmen. Aufgrund des gehobenen Anspruchs und dem eher familiären Klima in der fotocommunity sind ein regelmäßiges Engagement und eine (selbst-)kritische Bildauswahl erforderlich, um Aufmerksamkeit für seine Arbeit zu erhalten.

Eine Gratis-Mitgliedschaft gewährt 100 Megabyte Online-Speicher und erlaubt es gerade einmal, fünf Bilder pro Woche einzustellen. Das mögliche Maximum sind 30 wöchentliche Fotos bei unbegrenztem Speicherplatz. Dann allerdings wird eine Jahresgebühr von 96 Euro fällig.

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Nicht für den Eimer: Photobucket

Richtig Freude kommt beim Anbieter Photobucket (zu deutsch: Fotoeimer) erst auf, wenn man sich für einen kostenpflichtigen Account entscheidet. In der Gratisversion wird die Seite leider derart gnadenlos mit Werbebannern zugemüllt, dass der eigentliche Inhalt, die eingestellten Fotos, erst auf den zweiten Blick wirken können.

Ansonsten ist das Angebot alles andere als „für’n Eimer“. Photobucket besticht durch ein gelungenes Seitenlayout, das sich, etwa durch einen frei wählbaren Hintergrund, in gewissem Umfang an den persönlichen Geschmack anpassen lässt. Neben der Sortierung in Alben erlaubt die Plattform auch das Anlegen sogenannter Stories, einer Art Fototagebuch, das mit Kommentaren versehen werden kann und die Möglichkeit bietet, Bilder ein wenig freier anzuordnen.

Interessant ist zudem, dass die Stories nicht von oben nach unten, sondern, einem Zeitstrahl ähnelnd, von links nach rechts gescrollt werden. Ein weiteres besonderes Feature von Photobucket ist eine integrierte Bildbearbeitung, die druchaus mit dem poulären Foto-Pimper des Google-Dienstes Picasa aufnehmen kann. Eine Korrektur von Farbe, Kontrast und Schärfe ist schnell möglich und langweilige Aufnahmen können  mit flotten Effekten à la Hippstamatic veredelt werden.

Wer ein Gratis-Konto bei Photobucket eröffnet, bekommt ein Speichervolumen von zwei Gigabyte. Wer mehr will, kann Online-Speicher dazukaufen, das mögliche Maximum – 500 Gigabyte – schlägt allerdings mit stolzen 399,99 US-Dollar im Jahr zu Buche. Immerhin kauft man sich damit auch von den lästigen Werbeeinblendungen frei.

 

Wo das Herz höher schlägt: 500 px

Schon beim ersten Besuch der edel und puristisch gestalteten Bilderplattform 500 px wird augenfällig, dass viele Mitglieder der Fotocommunitiy auf hohem Niveau fotografieren. Entsprechend kann es passieren, dass Bilder, die sich bei flickr als Klickhits erweisen und etliche lobende Anmerkungen einheimsen, bei 500 px unbeachtet bleiben. Ermittelt wird die Beliebtheit der eingestellten Bilder mit dem „Pulse“, der sich aus Klickzahlen, Favoriten-Markierungen und der Menge der abgegebenen Kommentare zusammensetzt.

Je höher der Puls der Community für ein Bild schlägt, desto höher rutscht das Werk in der Kategorie „Beliebt“. Landet es gar ganz oben auf der ersten Seite, ist ihm ein Millionenpublikum gewiss. Neue Bilder, deren Popularität besonders schnell wächst, landen in der Kategorie „Aufstrebend“; Fotos, die bei den Mitarbeitern von 500px beliebt sind, werden in einer gesonderten Galerie vorgestellt. Mehr als jede andere Bilderplattform spielt bei 500px der Wettbewerbsgedanke eine große Rolle. Für ambitionierte Digital-Fotografen mag das „Pulse“-Bewertungssystem Ansporn und Bestätigung sein, auf weniger avancierte Lichtbildner könnte es hingegen einschüchternd, wenn nicht gar abschreckend wirken.

Die Gratismitgliedschaft bei 500 px erlaubt das Hochladen von 20 Bildern pro Woche. Überdies besteht die Möglichkeit, einen „Personal Store“ einzurichten, über den die eigenen Arbeiten zum Verkauf angeboten werden können. Gegen einen jährlichen Beitrag von 25 US-Dollar können unbegrenzt viele Bilddateien hochgeladen werden. Wer 75 US-Dollar zahlt, bekommt für seinen Account zudem eine eigene Internetadresse, die Möglichkeit das Seitenlayout frei anzupassen und – interessant vor allem für kommerzielle Fotografen – Zugang zu dem Tool „Google Analytics“, das eine genaue Auswertung der Besucherzahlen und -bewegungen erlaubt.

Der Artikel stammt aus dem sonntag – das digitale Magazin. Einblicke in die Vielfalt des digitalen Sonntagsmagazins erhalten Sie ebenfalls auf dem so.-Blog. Zudem können Sie Facebook-Fan vom sonntag werden.

Bildnachweis: Promo / Screenshot