eBook Flatrate: Onleihe und Skoobe im Vergleich

Einmal bezahlen, so viele eBooks lesen, wie man will: Das versprechen Stadtbibliotheken und Verlage mit Apps für iPad und Android-Tablets. Wir haben die Anwendungen Onleihe und Skoobe getestet.

Immer mehr Stadtbibliotheken – mittlerweile 1.300 der 2.500 in Deutschland – bieten Onleihe an. Das ist eine App für das iPad und für Tablets mit dem Betriebssystem An­droid. Darüber lassen sich elektronische Medien ausleihen, auch Filme und Hörbücher, vor allem aber eBooks. Sie werden heruntergeladen, das dauert nur einige Minuten.

Es ist außerdem rund um die Uhr möglich. Man muss auch nicht mehr das Haus verlassen, um eine Bibliothek zu benutzen. Und man kann nicht mehr vergessen, die Bücher zurückzugeben – das passiert automatisch. All you can read: Das ist mit Onleihe einfacher.

Es ist aber nicht mehr nur über die Stadtbibliotheken möglich. Mehrere Verlage bieten seit eineinhalb Jahren ebenfalls eine Flatrate für Leseratten an. Ihr Programm dafür heißt Skoobe, es ist eine App, die zuerst nur für das iPad, mittlerweile aber auch für Android-Tablets angeboten wird.

Dafür zahlt man allerdings keinen Jahresbeitrag, sondern eine monatliche Abogebühr von zehn bis 20 Euro. Im Jahr kostet Skoobe also 120 bis 240 Euro. Im selben Zeitraum werden für Onleihe dagegen, wenn jemand zum Beispiel das Angebot der Stadtbücherei Hannover nutzt, 20 Euro fällig. Das ist einer von mehreren Unterschieden.

Tipp: Damit Sie bei schummrigem Licht oder im Dunkeln besser lesen können, sollten Sie auf dem iPad oder iPhone den Nachtmodus aktivieren.

 

Onleihe der Stadtbibliotheken: E-Books, Hörbücher, Musik, Filme oder Magazine

Ein anderer betrifft das Angebot. Das von Skoobe umfasst nach eigenen Angaben mehr als 25.000 eBooks von etwa 400 Verlagen, es ist damit etwas größer als das der Stadtbibliotheken. Diese könnten zwar bis zu 45.000 verschiedene elektronische Bücher und insgesamt mehr als 70.000 Medien anbieten.

Dafür hat der EKZ-Bibliotheksservice über eine Tochtergesellschaft die Lizenzen erworben. Das Unternehmen wurde 1947 als Einkaufszentrale für öffentliche Büchereien gegründet, es verhandelt mit den Verlagen und beliefert die Büchereien mit gedruckten und nun auch mit elektronischen Büchern. Es agiert also als Dienstleister.

Die Bibliotheken müssen die Medien allerdings von EKZ auch erst erwerben. Deshalb bieten sie unterschiedlich viel über Onleihe an – je nachdem, wie groß ihr Jahresetat ist und wie viel sie davon für elektronische Bücher eingeplant haben. „Große Bibliotheken haben 15.000 bis 20.000 Medien im Bestand“, sagt EKZ-Geschäftsführer Jörg Meyer.

Das Onleihe-Angebot der Stadtbibliothek Hannover zum Beispiel umfasst 17.000 eBooks, das von Kiel – dank einer Zusammenarbeit mit anderen öffentlichen Büchereien in Schleswig-Holstein – 16.000 und das von Leipzig gut 2.400. Dazu kommen jeweils noch andere Medien, Hörbücher, Musik, Filme und Magazine.

 

Bei Skoobe können eBooks sofort gelesen werden

Nun sagt die Anzahl allein nicht viel aus. Die Frage ist, welche E-Books darunter sind, und ein Vergleich zeigt: Es sind wenige der aktuellen Spiegel-Bestsellerliste. Von den zehn erfolgreichsten Hardcover-Titeln können drei über Onleihe (Stadtbibliothek Hannover) ausgeliehen werden, über Skoobe nur einer.

Bei den Taschenbüchern ist es umgekehrt: Onleihe bietet nur eins der am meisten verkauften eBooks, Skoobe dagegen sechs. Unterm Strich können also über die Verlage selbst mehr Bestseller ausgeliehen werden.

Vor allem, und das ist ein weiterer Unterschied: Über Skoobe können eBooks auf jeden Fall sofort heruntergeladen werden. Über Onleihe nicht. Die Stadtbüchereien haben von den meisten Titeln nur jeweils eine Lizenz. Das heißt, wenn jemand ein elektronisches Buch ausleiht, kann es gleichzeitig niemand sonst tun.

Alle anderen können es dann nur vormerken lassen und müssen warten – einige Wochen oder in Hannover im Fall von Dan Browns „Inferno“ sogar bis Februar 2014. Dieses Datum nennt die App.

 

Die Hälfte aller Bücher erscheint auch als elektronisches Buch

Bei Skoobe können gleichzeitig maximal drei, fünf oder 15 eBooks ausgeliehen werden. Das hängt davon ab, ob man Skoobe Basic (10 Euro pro Monat), Skoobe Plus (15 Euro) oder Skoobe Premium (20 Euro) gebucht hat. Um ein neues Buch herunterzuladen, muss erst ein anderes vom Tablet gelöscht werden. Sonst können sie aber so lange auf dem Gerät bleiben, wie man will. Anders als bei Onleihe gibt es keine Rückgabefristen.

Überziehungsgebühren ebenfalls nicht, bei Onleihe allerdings auch nicht: Die eBooks der Stadtbibliotheken werden immer für 14 Tage ausgeliehen. Danach lassen sie sich nicht mehr öffnen. Um die Rückgabe muss man sich also nicht kümmern.

Vielleicht wird die Ausleihe von eBooks auch deshalb immer beliebter – allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau. Hannover zum Beispiel rechnet 2013 mit 200.000 Downloads nach 88.000 im Jahr zuvor. Zum Vergleich: Die knapp 900.000 Medien der Stadtbibliothek – also gedruckte Bücher, CDs, DVDs und Zeitschriften – wurden 2012 mehr als vier Millionen Mal ausgeliehen. Noch ist der Abstand also groß. Ob und wie schnell er kleiner wird, hängt vom Angebot an ausleihbaren eBooks ab.

50 Prozent aller Neuerscheinungen würden mittlerweile auch als elektronisches Buch herauskommen, schätzt EKZ-Geschäftsführer Meyer. Einige Verlage würden aber ihre Titel nicht für die Ausleihe freigeben, weil sie es als Konkurrenz zum Verkauf sähen, berichten Branchenbeobachter. Sie halten das für einen Fehler und verweisen auf die Musikindustrie, die durch die Digitalisierung hohe Einbußen hatte, mittlerweile aber erfolgreich Flatrate-­Modelle anbietet.

Der Anreiz, sich illegal ein Werk zu besorgen, sinkt angeblich, wenn man für einen Pauschalbetrag etwas so oft nutzen kann, wie man möchte. Zumal der Käufer eines eBooks auch nicht mehr machen kann, als das Buch zu lesen. Verschenken oder verleihen kann er es nicht, weil es einen Kopierschutz hat – übrigens genauso wie ein Titel, der über Skoobe oder Onleihe heruntergeladen wird.

Der Artikel stammt aus dem sonntag – das digitale Magazin. Einblicke in die Vielfalt des digitalen Sonntagsmagazins erhalten Sie ebenfalls auf dem so.-Blog. Zudem können Sie Facebook-Fan vom sonntag werden.

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