Im Vergleich: Apps und Internetdienste für Kredit & Geldanlagen

Um einen Kredit aufzunehmen oder Geld anzulegen, muss niemand mehr eine Filiale besuchen. Ein Smartphone reicht. Wir stellen vier Apps und Internetdienste dafür vor.

Von Markus Werning

Kontoverwaltung

Numbrs

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Die App der Schweizer Firma Centralways bietet viele nützliche Funktionen, am spannendsten ist die „Future Timeline“ – das ist eine Saldo-Vorschau. Das Programm kalkuliert auf Basis der bisherigen Ausgaben, ob der Nutzer mit seinem Geld hinkommen wird. „Wenn Sie zum Beispiel im vergangenen Monat insgesamt 50 Euro in Cafés ausgegeben haben, dann rechnet die App damit, dass Sie das wahrscheinlich im nächsten Monat wieder tun werden“, erklärt Centralways-Chef Martin Saidler. „Das Programm berechnet daraufhin eine Prognose, damit Sie sehen können, ob ihr Geld dafür reichen wird.“

Das hat einen Nutzen: „Sie wollen verhindern, dass Sie Überziehungszinsen zahlen müssen, weil Sie einmal unvorsichtig gewesen sind.“ Die „Future Timeline“ solle den Anwender davor bewahren. „Die App sagt Ihnen voraus: Wenn Sie so weitermachen, werden Sie in zwei oder drei Monaten ins Minus rutschen, dann müssen Sie zehn oder elf Prozent Zinsen zahlen – das sollten Sie vermeiden.“ Die Voraussagen müssten aber noch treffsicherer werden, sagt Saidler. „Das werden sie in den nächsten ein bis zwei Jahren auch.“ Dann soll die App auch noch um weitere Funktionen ergänzt werden.¬

Bisher kann der Anwender mit Numbrs bereits mehrere Bankkonten verwalten. Er kann also jederzeit auf seinem Smartphone nachschauen, ob das Gehalt schon eingegangen und der Dauerauftrag bereits ausgeführt worden ist, er kann auch jederzeit Rechnungen bezahlen und Geld überweisen. Solche Ausgaben werden übersichtlich aufgelistet und in Diagrammen dargestellt, damit der Nutzer die Übersicht behält – das macht das Programm gut. Einfach zu bedienen ist es auch. Und sicher, verspricht Saidler.

Die Daten werden nicht auf dem Smartphone gespeichert, sondern auf Servern. „Jede E-Banking-App legt die Daten im Rechenzentrum ab“, sagt Saidler, „genau das machen wir auch, weil wir der Ansicht sind, dass die Daten auf dem Smartphone nicht sicher sind – denn wenn Sie das Smartphone verlieren, haben Sie ein Problem.“ Es handle sich um sogenannte banken-zertifizierte Rechenzentren, die überwacht würden. „Wir sind also mit der gleichen Sicherheitstechnik ausgestattet wie die Banken.“

Die Anwender müssten auch nicht befürchten, dass ihre Daten vermarktet würden. „Wir verkaufen keine Daten und wir handeln auch nicht damit“, versichert Saidler. „Unser Geschäft ist es, dass der Kunde die App so hilfreich findet, dass er sie täglich benutzt und nicht ein Fremdprodukt.“ Dafür brauche das Programm Daten, zum Beispiel um die Saldo-Vorschau zu berechnen. „Sonst kann die App den Nutzer nicht rechtzeitig davor warnen, noch etwas zu kaufen, obwohl das Konto leer ist.“

Die App ist kostenlos. „Wir wollen irgendwann kostenpflichtige Mehrwertdienste wie Aktienhandel anbieten“, sagt Saidler. „Das ist unser zukünftiges Geschäftsmodell.“¬

PREIS: kostenlos

Girokonto

Number 26

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So schnell haben wir noch nie ein Konto eröffnet – und schon gar nicht über das Smartphone. Wir tippen dafür lediglich folgende Daten ein: E-Mail-Adresse, Handynummer, Vor- und Nachname, Geburtsort, Geburtsdatum, Wohnadresse – fertig. Dann identifizieren wir uns: ebenfalls über eine App. Ein Videochat startet. Wir sehen einen Mitarbeiter im Smartphone-Display, halten unseren Personalausweis oder Reisepass in die Kamera, er nickt zufrieden – innerhalb von weniger als zehn Minuten haben wir ein Girokonto eröffnet. Das ist Number 26.

Die App ist seit Ende Januar für iOS und Android verfügbar, die Entwickler richten sich an die Generation Smartphone: Die Nutzer können mit der App nicht nur ein Girokonto eröffnen, sondern darüber auch Geld überweisen sowie ihre Ein- und Ausgaben überprüfen und im Blick behalten. Dabei helfen Statistiken. Eine Kreditkarte gehört ebenfalls dazu – sie kann als normale Bankkarte verwendet werden. Der Nutzer kann also mit ihr Geld abheben, im Internet einkaufen und in Geschäften bezahlen. Voraussetzung ist, dass der Händler die Mastercard akzeptiert und dass das Konto ausreichend gedeckt ist: Einen Dispokredit bietet Number 26 nicht an.

Hilfreich ist: Über jede Kontobewegung wird der Nutzer auf seinem Smartphone über eine Push-Benachrichtigung informiert. Und zwar umgehend: Als wir im Supermarkt mit der Karte bezahlten, meldete die App sofort, wie viel wir gerade wo ausgegeben hatten. Eine nützliche Funktion ist außerdem Moneybeam: Der Anwender kann jemandem per E-Mail oder SMS bis zu 100 Euro schicken. Der Empfänger bekommt in der Nachricht einen Link, über den er seine Kontodaten eingibt. Der Betrag wird daraufhin überwiesen – ein Konto bei Number 26 braucht er dafür nicht. Das ist praktisch: Wir konnten anderen Menschen Geld schicken, ohne ihre IBAN oder BIC zu wissen – die Handynummer reichte.

Für den Nutzer ist das Girokonto komplett kostenlos. Number 26 kassiert von ihm also weder eine Gebühr für das Geldabheben noch für das Bezahlen mit der Karte oder das Überweisen von Geld. „In Ausnahmefällen können Bankautomaten-Betreiber eine zusätzliche Gebühr vom Kunden erheben“, sagt ein Sprecher von Number 26. Die Firma erzielt ihre Einnahmen dagegen über Händlergebühren. „Der Händler zahlt bei jeder Kartentransaktion, wenn Kunden mit unserer Karte online oder im Geschäft bezahlen.“ Außerdem rechnet das Unternehmen mit Zinseinnahmen aus den Einlagen der Kunden.

Number 26 arbeitet mit der Wirecard Bank AG zusammen. Guthaben auf dem Konto sind deshalb auch durch die deutsche Einlagensicherung abgesichert. Die Daten der Anwender liegen auf „sicheren Servern in Europa“, sagt der Sprecher von Number 26. Nur wenige Mitarbeiter hätten Zugriff darauf.

PREIS: kostenlos

Geldanlage

Vaamo

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Die Geldanlage kann eine komplizierte Sache sein. Das wollen die Gründer der Frankfurter Fintech-Firma Vaamo ändern. Tatsächlich sind nur wenige Einstellungen notwendig, um über die Internetseite des Unternehmens Geld anzulegen. Der Nutzer entscheidet sich zunächst für ein Sparziel, zum Beispiel für ein neues Auto oder eine Urlaubsreise. Dann gibt er ein, wie viel Geld er dafür monatlich zurücklegen will und wie es angelegt, also wie viel davon in Aktienfonds oder in Anleihen investiert werden soll.

Vaamo bietet drei Risikostufen an. Die niedrigste Risikostufe bedeutet: 40 Prozent Aktien, 60 Prozent Anleihen; die höchste Stufe steht für: 80 Prozent Aktien, 20 Prozent Anleihen. Je nachdem prognostizieren die Frankfurter eine jährliche Rendite von etwa vier bis sechs Prozent. Die Mehrheit der Kunden entscheide sich bisher für die riskanteren Varianten mit 80 oder 60 Prozent Aktienanteil, sagt Oliver Vins, einer der drei Gründer.

Um diese Renditen zu erzielen, greifen sie auf wissenschaftliche Erkenntnisse zurück. Ihr Anlagekonzept haben sie zusammen mit der Goethe-Universität Frankfurt entwickelt. „Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass kaum jemand nachhaltig in der Lage ist, die Rendite der Kapitalmärkte zu schlagen“, sagt Vins. Höhere Renditeversprechungen gingen deshalb immer mit einem höheren Risiko einher. „Bei uns investiert der Kunde indirekt in mehr als 15 000 Einzelinvestments in verschiedenen Anlageklassen auf der ganzen Welt, dadurch ist das Risiko sehr breit gestreut und die Schwankungen sind geringer.“

Die Frankfurter arbeiten mit der US-Anlagegesellschaft Dimensional Fund Advisors und der Depotbank FFB zusammen. Sie berechnen den Nutzern ihres Dienstes eine Pauschalgebühr, die inklusive aller Transaktionen 0,49 bis 1,19 Prozent beträgt – die genaue Höhe hängt vom durchschnittlichen Anlagebetrag ab. Die Fintech-Firma wirbt damit, dass sie billiger ist als eine traditionelle Bank: Selbst bei einem Anlage¬betrag von nur 5000 Euro ließen sich mit Vaamo unterm Strich bis zu 120 Euro Bankgebühren pro Jahr sparen. Ein Account wird auf der Internetseite des Unternehmens eingerichtet: Vaamo.de.

PREIS: Gebühr abhängig von Anlagebetrag

Kredit und Geldanlage

Lendico

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Über den Onlinedienst Lendico können sich Privatleute und Unternehmer Geld von Privatleuten leihen – und diese bekommen dafür Zinsen. Genau wie eine Bank. Ähnlich funktionieren Auxmoney und Smava in Deutschland oder der Lending Club in den USA.

Diese Dienste sind Marktplätze. Diejenigen, die Geld anlegen wollen, finden darüber Kreditprojekte, in die sie investieren können – und diejenigen, die sich Geld leihen wollen, stellen darüber ihre Vorhaben vor. Lendico stuft die Projekte in unterschiedliche Risikoklassen ein – diese Klassifizierung soll den Anlegern Orien¬tierung geben. „Als Maß dient dabei die geschätzte Zahlungsfähigkeit und Risikobewertung des Kreditnehmers“, erklärt Lendico. Eine geringere Ausfallwahrscheinlichkeit bedeutet aber auch einen geringeren Zinssatz. Die Renditechancen hängen deshalb – wie immer bei einer Geldanlage – vom Risiko ab, das der Anleger bereit ist einzugehen.

Bisher hatte Lendico aber noch keinen Kreditausfall in Deutschland, wie ein Sprecher mitteilt. Damit müssten Anleger aber immer rechnen. „Ausfälle sind im Kreditgeschäft unvermeidbar.“ Lendico rät deshalb dazu, nicht einen großen Betrag in ein einziges Kreditprojekt zu investieren, sondern kleinere Beträge in mehrere. Wenn dann ein Gläubiger das geliehene Geld nicht zurückzahlen kann, sinkt zwar insgesamt die Rendite – aber der Anleger muss keinen Totalverlust hinnehmen. Im Durchschnitt lag der nominale Zinssatz der Anleger im Jahr 2014 bei 7,02 Prozent. Die Kreditnehmer müssen dagegen aktuell mit Zinsen zwischen 2,68 und 14,02 Prozent rechnen. Lendico wiederum berechnet den Kreditnehmern eine einmalige Gebühr in Höhe von 0,25 bis 3 Prozent des Gesamtkreditbetrags. Von den Zahlungen an die Anleger behält das Unternehmen ein Prozent als Gebühr ein.

Wir haben uns vor etwa einem Jahr an einem Kredit¬projekt beteiligt. Damals lieh sich jemand für den Umzug und den Kauf einer neuen Küche insgesamt 2000 Euro. 25 Euro bekam er von uns. Der Kredit läuft über 24 Monate. Am Ende werden wir 27,84 Euro zurückbekommen, dann haben wir 2,84 Euro mit unserem Investment verdient – rund elf Prozent mehr, als wir investiert haben. Bisher läuft auch alles planmäßig: Monat für Monat werden uns 1,16 Euro auf unser Konto überwiesen.

PREIS: Gebühren von Nutzern

Der Artikel stammt aus dem sonntag – das digitale Magazin. Einblicke in die Vielfalt des digitalen Sonntagsmagazins erhalten Sie ebenfalls auf dem so.-Blog. Zudem können Sie Facebook-Fan vom sonntag werden.