Bekommt Samsung endlich die Kurve?

Die Erwartungen an das nächste Flaggschiff der Südkoreaner sind hoch: Das Galaxy S6 muss ein Erfolg werden. Einige technische Details sind schon durchgesickert. Eine Zusammenfassung.

Von Felix Disselhoff

Was das iPhone für Apple-Fans, das ist die Galaxy-S-Reihe für die Androidszene. Kein anderes Smartphone mit dem Google-¬Betriebssystem erzeugt ähnlich viel Aufmerksamkeit. Kurz vor dem Mobile World Congress in Barcelona brodelt die Gerüchte¬küche zum Galaxy S6 gewaltig. Um gleich mal mit einem Vorurteil, nämlich dem der günstigen Android-Smartphones, zu brechen: Allem Anschein nach wird das Galaxy S6 teuer, sehr teuer. Die günstigste Variante mit 32 Gigabyte internem Speicher soll es Gerüchten zufolge ab 749 Euro geben, für die Modelle mit 64 und 128 GB werden jeweils 100 Euro mehr fällig. Das Galaxy S Edge mit gebogenem Display soll sogar zwischen 850 und 1050 Euro kosten. Offiziell bestätigen will Samsung diese Angaben bislang nicht.
Allerdings haben die Koreaner bereits eine Einladung für eine Produktpräsentation auf dem diesjährigen Mobile World Congress (MWC) in Barcelona verschickt. Am 1. März soll das neue Flaggschiff dann der Weltöffentlichkeit präsentiert werden. Über der Frage „What’s next?“ (Wie geht es weiter?) ist eine gebogene Kante zu sehen – für viele Techblogs ein Hinweis darauf, dass es nach dem Note Edge auch ein Galaxy-Modell mit gebogenem Display geben könnte. Der kolportierte Name: S Edge.

Rekordauflösung und schneller Speicher

Und wie es sich für ein gefragtes Flaggschiff gehört, sind auch vorab schon Bilder im Umlauf, ob nun Prototyp oder fertiges Produkt, die einen Eindruck davon vermitteln, wie die sechste Generation des Galaxy S aussehen wird. Das Topmodell aus Korea soll demnach einen 5,1 Zoll großen Bildschirm mit einer Quad-HD-Auflösung von 1440 mal 2560 Pixel besitzen. Bei einer Pixeldichte von 576 ppi wäre das ein Rekord. Als Prozessor könnte ein 64-Bit-fähiger Exynos-Prozessor von Samsung zum Einsatz kommen. Der aktuelle Topchip Snapdragon 810 von Qualcomm fällt wohl aus – viele Hersteller klagen über Überhitzungsprobleme. Der Akku dürfte, wie auch beim Alpha, dem A3 und A5, fest verbaut sein.
Samsung ist mit seiner Galaxy-Reihe dafür bekannt, gute Kameras zu verbauen. So könnte dieses Mal eine 16-Megapixel-Kamera mit dem Sony-¬Bildsensor IMX 240 zum Einsatz kommen. Die Frontkamera für Videochats und Selfies soll Gerüchten zufolge über eine Auflösung von fünf Megapixeln verfügen. Als Betriebssystem wird mit hoher Wahrscheinlichkeit Android 5.0 Lollipop installiert sein.
Ein Novum soll sich unter der Haube befinden. So ist die Rede von einem ultraschnellen Universal Flash Storage (UFS), der dreimal so schnell wie bisherige eMMC-Speicher sein soll und Datenraten von SSDs erreicht. Damit wären bis zu 1,2 Gigabyte pro Sekunde möglich. eMMC-Speicher kommt aktuell maximal auf rund 400 Megabyte pro Sekunde. Der Stromverbrauch der neuen Technologie soll weiterhin gering sein.

Während mit Blick auf die Komponenten weitestgehend Einigkeit in der Techszene herrscht, ist man sich weiterhin uneins darüber, ob das Galaxy S6 nun mit einem gebogenen Display auf den Markt kommt – oder weiterhin im „flat design“ mit einem zusätzlichen Edge-Modell. Der Korea¬ Herald schreibt unter Berufung auf den Analysten Jerry Kang, dass das S6 sogar auf beiden Seiten eine „curved“ Kante haben könnte. Beim aktuell einzigen Smartphone mit gebogenem Display, dem Galaxy Note Edge, ist das Gerät auf der rechten Kante abgerundet – genutzt wird das Mehr an Pixeln, um weitere Icons für die Steuerung des Gerätes etwa beim Abspielen von Filmen abzulegen.

Der jüngste Leak deutet darauf hin, dass sehr wahrscheinlich zwei Modelle des S6 in den Handel kommen: ein Standard-S-Modell und eine Edge-Version. Diese könnte im Gegensatz zum Note 4 Edge sogar auf beiden Seiten ein gebogenes Display haben. Das ist zumindest auf einer von CNET geleakten Skizze einer koreanischen PR-Computergrafik zu sehen. Auch wenn unklar ist, ob das Galaxy S6 in zwei Varianten erscheint, so lässt sich zumindest schon anhand der jüngsten Enthüllungen absehen, dass Samsung seinem Flaggschiff neues Leben einhauchen will.

Mit »Project Zero« zum Neuanfang

Was auch dafür sprechen würde: Bei Samsung läuft das S6 unter dem Projektnamen „Project Zero“. Ungewöhnlich, denn bislang hatten alle Galaxy-Modelle Buchstaben bekommen. Das Galaxy Note 4 lief unter „Projekt T“, das S5 hieß insgeheim „Project K“, und das S4 gehorchte auf den Entwicklungsnamen „Project J“. Das „Zero“ könnte tatsächlich für Samsung einen Neuanfang markieren. Den hat der ehemals erfolgreichste Smartphone-Produzent der Welt auch bitter nötig. Während Apple nur mit einem Gerät, dem iPhone, Millionenverkäufe erzielt, häufte Samsung über Jahre einen unüberschaubaren Wust an Modellreihen und Sondereditionen an.

Die Folge: Nicht nur fraß das Marketing Multimilliarden-Beträge, auch sorgte die enorme Diversifizierung für aufwendige Produktionsprozesse und hohe Kosten bei der Beschaffung der Komponenten und der Fertigung. Die Folge: Der südkoreanische Konzern musste im vergangenen Jahr den ersten Ergebnisrückgang seit drei Jahren hinnehmen. Der operative Quartalsgewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum brach um 37,4 Prozent auf umgerechnet vier Milliarden Euro ein. Für das neue Jahr erwarten Analysten einen weiteren Rückgang auf 18,3 Milliarden Euro.
Während die Samsung-Flaggschiffe in der Luxusklasse Konkurrenz vom iPhone bekommen, setzen lokale Anbieter wie Xiaomi, Oppo und Huawei¬ den ehemaligen Platzhirschen im asiatischen Raum unter Druck. Diese machten sich in den vergangenen Jahren einen Namen mit Low-End- und Mittelklasse-Geräten, greifen aber nun auch nach der High-End-Krone und kommen mit günstigen Flaggschiffen mit guter Hardware und vergleichsweise kleinen Preisen bei den Kunden gut an.

Kurzum: Das Galaxy S6 muss ein Erfolg werden. Denn mit dem zuletzt gelaunchten Alpha, bei dem die Koreaner erstmalig auf einen Metallrahmen setzten, und den gerade vorgestellten Galaxy A3 und Galaxy A5 – ebenfalls mit Metallrahmen – konnte der Konzern zwar Kritiker mit einem hochwertigeren Look überzeugen, doch dafür sparte man an der Hardware, die bestenfalls Mittelklasse-Niveau hat. Das kann sich Samsung bei seinem Bestseller nicht erlauben.

Der Artikel stammt aus dem sonntag – das digitale Magazin. Einblicke in die Vielfalt des digitalen Sonntagsmagazins erhalten Sie ebenfalls auf dem so.-Blog. Zudem können Sie Facebook-Fan vom sonntag werden.