Die Akku-Revolution? Ein Kraftwerk für die Hosentasche

Dresdner Forscher haben für Smartphones eine mobile Brennstoffzelle entwickelt. Lösen sie damit das Akku-Problem?

Von Markus Werning

Ein junger Mann ist gerade mitten in der Wildnis, er zeltet in der freien Natur, als er dringend Strom braucht – sein Handy meldet einen leeren Akku. Er holt ein kleines Gerät aus seiner Tasche, es ist eine Brennstoffzelle. Er schließt sein Handy an den Stromerzeuger an und lädt den Akku wieder auf – weit entfernt von einer Steckdose.
Die Szene stammt aus einem Werbefilm der Firma eZelleron¬ aus Dresden. Sie wirbt damit um Investoren für ihre Brennstoffzelle, die sie entwickelt hat und noch 2015 unter dem Namen „kraftwerk“ auf den Markt bringen will. Mehrere Tausend Menschen haben ein Exemplar bereits bestellt. Smartphone-Hersteller sind ebenfalls an dem Generator to go interessiert. Vertreter von Samsung trafen sich bereits mit eZelleron-Geschäftsführer Sascha Kühn, es gab auch einen Kontakt mit Apple. Vielleicht nehmen die Firmen das „kraftwerk“ aus Sachsen in ihr Zubehörsortiment auf – weil es eine Antwort auf ein dringendes Problem ist.

Aus Feuerzeuggas wird Strom

kraftwerk von eZelleron - ein völlig neuartiges Ladegerät für mobile Endgeräte

Zwar haben die beiden Smartphone-Hersteller und ihre Konkurrenten in den vergangenen Jahren daran gearbeitet, dass ihre Mobiltelefone mit weniger Energie auskommen. Aber sie haben auch andere Eigenschaften verbessert, sodass die heutigen Smartphones viel mehr Aufgaben erledigen können als frühere Modelle. Die Geräte kommen deshalb nicht länger mit einer Akkuladung aus als ihre Vorgänger: In der Regel muss die Batterie abends wieder aufgeladen werden. Oft schon früher. Wenn dann keine Steckdose in der Nähe ist, hat der Benutzer ein Problem.
Eine Möglichkeit dafür sind externe Zusatzakkus. Aber diese Powerpacks können ein Handy nur ein- bis dreimal mit Strom versorgen, dann müssen auch sie wieder aufgeladen werden. Das „kraftwerk“ dagegen kann zum Beispiel die Akkuanzeige eines iPhones bis zu elfmal wieder auf hundert Prozent bringen, versprechen die Dresdner. Dafür braucht die Brennstoffzelle nur 40 Milliliter Gas – und zwar Gas, mit dem auch Feuerzeuge und Campingkocher betankt werden, das also leicht zu beschaffen und billig ist.

Die Nachfrage ist größer als gedacht

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Ein iPhone aufzuladen, kostet deshalb im Moment zwischen 0,4 und 5 Cent, je nachdem, welches Flüssiggas genommen wird. Die Brennstoffzelle wandelt es in Elektrizität um, und über einen USB-Anschluss gibt das „kraftwerk“ den Strom an ein mobiles Gerät weiter – das kann jedes Gerät sein, das sich per USB aufladen lässt. Ein Smartphone genauso wie ein Tablet oder eine Kamera.
Die Idee dazu hatte Kühn. Seit 2008 arbeiten der diplomierte Werkstoffwissenschaftler und seine 25 Mitarbeiter an der Brennstoffzelle für die Hosentasche. 27 Patente hat Kühn dafür angemeldet. In den nächsten Monaten soll die Serienfertigung starten. Die Anschubfinanzierung dafür beschafft er sich gerade – wie so viele Start-ups – über die Internetseite Kickstarter. Auf der Crowdfunding-Plattform können Privatleute und Unternehmen das „kraftwerk“ schon bestellen. Auf die Lieferung müssen sie zwar noch etwas warten. Aber sie bekommen die Brennstoffzelle, sobald die Produktion startet – und sie bekommen sie billiger: für 79 Dollar anstatt für den Ladenpreis von 149 Dollar (rund 125 Euro). Nach mehr als der Hälfte der 60 Tage dauernden Kickstarter-Kampagne hat eZelleron dadurch schon mehr als eine Million Dollar eingesammelt – doppelt so viel, wie die Firma angestrebt hatte. So groß ist die Nachfrage.

Der Artikel stammt aus dem sonntag – das digitale Magazin. Einblicke in die Vielfalt des digitalen Sonntagsmagazins erhalten Sie ebenfalls auf dem so.-Blog. Zudem können Sie Facebook-Fan vom sonntag werden.