Datenkraken: Gefahr in den Tiefen des Internets

Bedrohung durch Datenkraken?

© Ruslan Ropat/Fotolia

Es ist nicht ganz ungefährlich in den Tiefen des Internets, Datenkraken bedrohen unsere Privatsphäre. So oder so ähnlich ist es mittlerweile vielerorts zu lesen. In Deutschland etwa wird seit dem Jahr 2000 der Negativpreis „Big Brother Award“ verliehen, um Betreiber von Datenkraken zu kennzeichnen. Doch was ist eigentlich ein Datenkrake? Und wie kann ich mich schützen?

 

Digitale Fußabdrücke

Wann immer wir uns online bewegen, hinterlassen wir einen digitalen Fußabdruck, eine Fährte aus Informationen hinsichtlich unserer Interessen, unserer Shoppingtrends oder unserer künftigen Urlaubsziele. Diese Daten sind bares Geld wert! Stellen Sie sich einmal vor, Sie möchten ein bestimmtes Produkt verkaufen und überlegen nun, wie Sie am besten dafür werben können. Da käme Ihnen doch die Information, dass beispielsweise Herr X aus der Stadt Y in den letzten Wochen häufig nach ähnlichen Produkten wie dem Ihren gesucht hat, gerade recht. Denken Sie einmal darüber nach, was sich alles aus Ihrem Surf-Verhalten im Internet an Informationen über Ihre Person gewinnen lässt!

 

Daten sammeln mit acht Armen

Datenkraken sind nun Programme oder Institutionen, die genau diese Daten sammeln und sie Dritten zur Verfügung stellen – zumindest angeblich. Es ist nämlich gar nicht so einfach herauszufinden, wer nun welche Daten zu welchem Zweck speichert. Regelmäßig in der Kritik stehen hier übrigens Unternehmen wie Facebook oder Google, also Firmen, deren Angebote von vielen Internetnutzern wahrgenommen werden.

Datenkrake auf der Demo „Freiheit statt Angst“ 2009. CC-BY SA 2.0. Foto: Matthias Hornung

Neue Datenschutzgesetze ab Mai 2018

Datenkraken verstoßen gegen Persönlichkeitsrecht, das klingt auf den ersten Blick durchaus nachvollziehbar. So einfach stellte sich die Rechtslage aber bislang nicht dar, Datenschutzgesetze wirken besonders auf Laien oftmals eher wie ein ziemliches Durcheinander. Ab Mai 2018 treten nun neue Gesetze in Kraft. Für den Nutzer zentral sind hierbei das „Recht auf Vergessen“ sowie das „Recht auf Datenmitnahme“. Konkret heißt das: Jeder Internetnutzer hat künftig die Möglichkeit, auf eine Informationspflicht zu pochen. Wir haben nun also das Recht, zu erfahren, wer welche Dinge mit unserem digitalen Fußabdruck anstellt. Jedes Unternehmen, das Daten sammelt, steht in der Pflicht, auf Anfrage mitzuteilen, wie mit diesen Informationen verfahren wird. Den Datenkraken werden so zwar nicht die Arme abgeschnitten, ihr Sammelverhalten könnte aber durchaus transparenter werden.

 

Was tun gegen Datenkraken?

Wie kann ich mich nun aber wirksam gegen Datenkraken schützen? Eine erste Möglichkeit ist der bewusste Umgang mit der Ortungsdienst-Funktion Ihres Smartphones oder Tablets. Egal ob Samsung oder Apple, mittlerweile bietet jedes mobile Endgerät entsprechende Funktionen an. Auf den ersten Blick scheint es nun sinnvoll zu sein, einfach alle Ortungsdienste zu deaktivieren, um persönliche Daten zu schützen – dann allerdings können wichtige Funktionen, wie etwa der Notruf über GPS, nicht mehr genutzt werden. Die Ortungsdienste sind nur ein Bereich von vielen, in dem es schwierig sein kann, eine Balance zwischen nützlichen Tools und Datenkraken zu finden. Im kommenden Blogbeitrag wollen wir uns deshalb damit befassen, wie Sie Ihren digitalen Fußabdruck verwischen können, ohne auf den Komfort des Internets verzichten zu müssen.

 

Zu guter Letzt: Datenkraken, ein umstrittener Begriff

Im Jahr 2014 erschien in der Süddeutschen Zeitung eine Karikatur, die Facebook-Gründer Mark Zuckerberg als Datenkrake zeigte. Das Simon Wiesenthal-Zentrum kritisierte daraufhin, dass der Krake als diffamierende Metapher antisemitische Wurzeln habe. So habe bereits das NS-Propagandainstrument „Der Stürmer“ das Bild eines Kraken genutzt, um darzustellen, wie Juden angeblich die Welt an sich reißen wollten. Da Mark Zuckerberg einem jüdischen Elternhaus entstammt, erhielt der Vorwurf weitere Brisanz.