Unterwegs im Asphaltdschungel: Carsharing mit car2go

Carsharing mit car2go

Immer mehr Menschen wohnen in Großstädten. Das hat Vor- und Nachteile. Zum Beispiel: Man wohnt zentral, der Weg zur Arbeit ist meist nicht weit und kann häufig mit dem öffentlichen Personennahverkehr bewältigt werden. Eigentlich gibt es alles vor der Tür: Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten, Schulen, Ärzte und jede Menge leckere Restaurants. Dafür sind die Mieten weit höher als auf dem Land oder in der Kleinstadt. Und: Wenn man sich trotz Straßenbahn doch den Luxus eines eigenen Autos leistet, ist das meist ein ziemlich teures Vergnügen. Eigentlich braucht der Großstädter kein Auto, sagt sich vielleicht manch einer. Und dann kommt der wöchentliche Großeinkauf. Oder der Streik im Nahverkehr. Oder der Wunsch nach einem neuen Bücherregal. Trotzdem: Sich allein für solche Gelegenheiten einen PKW anzuschaffen, lohnt nicht. Wer dennoch ab und an mit dem Auto fahren möchte, kann seit einigen Jahren auf Carsharing zurückgreifen.

 

Carsharing – Was ist das?

Carsharing mit car2go

car2go in Berlin-Dahlem

Ins Deutsche übersetzt bedeutet diese englische Wortneuschöpfung „Auto teilen“.  Konkret heißt das: Ein Unternehmen stellt eine Fahrzeugflotte bereit; jeder PKW kann prinzipiell von jedem Kunden genutzt werden. Jeder Interessent kann mit Anbietern wie car2go, DriveNow oder Flinkster eine Rahmenvereinbarung treffen, die es ihm erlaubt, per App ein Fahrzeug des Unternehmens zu öffnen und damit zu fahren. Der Clou: Die App zeigt alle entsprechenden PKW rund um den eigenen Standort an. Der Nutzer wählt einfach einen aus, steigt ein und fährt zu seinem Ziel. Dort angekommen, wird geparkt – je nach Anbieter entweder in extra gekennzeichneten Flächen oder auf öffentlichen Stellplätzen. Das Auto kann also einfach stehen gelassen werden und wartet auf den nächsten Nutzer. Bezahlt wird entweder anhand der gefahrenen Kilometer oder der Nutzungszeit.

 

Daimler auf Zeit – car2go

Einer der weltweit größten Carsharing-Anbieter mit derzeit über drei Millionen Nutzern ist car2go. Die GmbH gehört zur Daimler AG, entsprechend werden ausschließlich solche Fahrzeuge bereitgestellt. Auch car2go bietet eine App, um den Kunden die Nutzung der Fahrzeuge zu ermöglichen. Nach dem Download der Anwendung erfolgt zunächst eine Registrierung. Zusätzlich zu den üblichen Angaben wie Name oder Mail-Adresse fragt die App nach dem Führerschein des künftigen Nutzers – das Vorhandensein eines solchen ist natürlich eine Grundvoraussetzung. Um seine Fahrtüchtigkeit unter Beweis zu stellen, lädt der Benutzer ein Foto seines Führerscheins in der App hoch. Es folgt eine automatisierte Prüfung des Dokuments – nach einigen Minuten kommt die Bestätigung, und die Registrierung kann fortgesetzt werden.

Ist das eigene Konto erst einmal angelegt, steht der ersten Fahrt prinzipiell nichts mehr im Wege. Bislang wird car2go allerdings erst in einigen deutschen Städten angeboten. Verfügbar sind die Fahrzeuge momentan in Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Stuttgart, München und Frankfurt am Main.

Carsharing mit car2go

car2go in München – zugelassen sind die Fahrzeuge allerdings alle in Berlin. © Jan Niklas Meier

 

car2go – Das Prinzip

Carsharing mit car2go

Detailansicht des ausgewählten Fahrzeugs

In Details unterscheiden sich die einzelnen Carsharing-Anbieter durchaus voneinander, das Grundprinzip ist aber eigentlich immer gleich – so auch bei car2go. Über die App werden dem Benutzer in der Nähe befindliche Fahrzeuge in Form eines blauen Symbols auf der Karte angezeigt. Wählt man ein Icon an, zeigt die App Details über das Fahrzeug: Informationen über Typ, Tankfüllung und Kosten werden bereitgestellt. Bezahlt wird auch hier mit der App, abgerechnet wird die gefahrene Zeit, nicht die Kilometer. Günstigster Wagen im Fuhrpark ist der Smart mit aktuell 26 Cent pro genutzter Minute.

Hat sich der Kunde für ein Fahrzeug in der Nähe entschieden, lotst ihn die App dorthin – das funktioniert wie bei jeder anderen Navigations-App auch. Einmal angekommen, wird das Auto per Smartphone entriegelt. Bevor es losgehen kann, empfiehlt es sich, einmal um das Fahrzeug herumzugehen und etwaige Schäden an car2go zu melden. Übrigens: Sollte das Auto etwas weiter entfernt stehen, kann der Kunde es mit der App für 20 Minuten reservieren, damit es ihm niemand vor der Nase wegschnappt.

 

Vor- und Nachteile

Ein ganz großer Vorteil von Carsharing im Allgemeinen und car2go im Speziellen liegt klar auf der Hand: Bei Bedarf kann ein Auto genutzt werden, wird aber gerade kein Fahrzeug benötigt, entstehen auch keine Kosten. Ein eigener PKW will schließlich nicht nur angeschafft und betankt, sondern eben auch versichert, sicher abgestellt und regelmäßig gewartet werden.

Was bislang allerdings noch fehlt, ist eine flächendeckende Verfügbarkeit von Carsharing-Anbietern: car2go etwa ist hierzulande lediglich in sieben Städten verfügbar – und auf dem Land wird man generell so gut wie keine Möglichkeiten zum Carsharing finden. Gerade bei car2go gilt darüber hinaus: Wer sich nicht gerade für den platzsparenden Smart entscheidet, weil in der unmittelbaren Umgebung vielleicht mit dem GLA nur ein SUV verfügbar ist, kann in Städten wie München oder Berlin arge Probleme bekommen, einen Parkplatz zu finden. Und das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer – schließlich kostet jede Minute bares Geld. Der Autor dieser Zeilen zumindest zog in München bereits im GLA mit zunehmender Verzweiflung seine Kreise durch die Innenstadt …

Insgesamt bietet Carsharing in Großstädten aber eine sinnvolle Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Einen Ersatz für die Straßenbahn findet der Nutzer hier dann aber doch nicht: Für den täglichen Weg zur Arbeit liegen Bus, Bahn und Fahrrad nach wie vor vorn.