Wird der Algorithmus allmächtig? Zum Thema Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz

Arnold Schwarzenegger hat es vorgemacht: Mit dem Terminator ist nicht zu spaßen! Denn wer würde schon gern von einer nahezu unzerstörbaren Kampfmaschine quer durch das ganze Land gejagt? Wohl niemand. Der Terminator schläft nicht, der Terminator isst nicht, der Terminator hält niemals an. Er ist die perfekte Waffe. Gruselig, oder? Es geht aber noch weiter: Was wäre, wenn der Terminator echt wäre? Was heute Science Fiction ist, mag übermorgen Realität werden … Der Tag ist zwar noch fern, dennoch machen sich viele Menschen Gedanken über eine Zukunft geprägt von KI. Grundsätzlich sind die Deutschen in ihrer Meinung recht gespalten, was das Thema Künstliche Intelligenz angeht: 55 Prozent sind entsprechenden Technologien gegenüber offen, 41 sehen sie kritisch, wie eine Umfrage des Bitkom e. V. ergab.

 

Der künstliche Cop

In Dubai rollen seit etwa einem Jahr Polizeiroboter durch die Straßen. Als weltweit erste Stadt hat die Metropole am Persischen Golf autonome Maschinen zur Unterstützung der Beamten eingesetzt. Bislang geht hier zwar kein Terminator auf Streife und der Roboter kann auch niemanden verhaften, Passanten können aber über ihn die Polizei rufen oder Strafzettel bezahlen. Bis 2030 soll ein Viertel der Polizisten in der Stadt künstlich sein – ob das ambitionierte Ziel bis dahin wirklich umzusetzen ist, bleibt fraglich. Dennoch: Es tut sich einiges im Bereich KI.

 

Zukunftsmusik

Allerorten investiert man in Künstliche Intelligenz. Eine Hochrechnung der Oxford-Universität verheißt: Bereits in etwa 20 Jahren könnten mehr als die Hälfte aller Jobs in den USA von Robotern erledigt werden. Und dann? Was treiben wir den ganzen Tag?

Ob Massenarbeitslosigkeit wirklich die Folge wäre, ist fraglich. Bislang zeigt die Historie: Wann immer es zu technischen Umbrüchen kommt, tun sich anderswo neue Arbeitsfelder auf. Bestes Beispiel ist hier wohl die Industrielle Revolution. Manch ein Zukunftsforscher ist sich allerdings sicher, dass es auch anders ausgehen könnte. Karl-Heinz Land, selbstbezeichneter „Digitaler Darwinist“, etwa glaubt, dass die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft das Ende klassischer Wertschöpfungsketten ist. Ein Beispiel: Wenn eine App herkömmliche Schlüssel überflüssig macht, fiele nicht nur die Produktion des Schlüssels weg, sondern ebenso die der den Schlüssel herstellenden Maschinen und so weiter. Nur: Anstatt des Schlüssels müssten andere Dinge produziert werden – es mögen also neue Wertschöpfungsketten entstehen, wo alte verschwinden.

So oder so: Es scheint klar, dass umfassende gesellschaftliche Umwälzungen bevorstehen, sollte eine entsprechende Automatisierung weiter vorangetrieben werden. Vielleicht liegt das Problem hier weniger im Wegfall von Arbeitsplätzen, sondern eher in der Geschwindigkeit, in welcher sich ein Wandel vollzieht: Die neuen Arbeitsbereiche müssen sich einerseits etablieren, andererseits braucht der Arbeitnehmer aber eben auch die Zeit, sich auf die neuen Verhältnisse einzustellen. Zeit, die ihm vielleicht nicht bleibt – denn der Wandel könnte sich ziemlich rasant vollziehen.

Die US-amerikanische Autorin Julia Kirby sieht der Zukunft mehr oder minder gelassen entgegen. Sie meint, eine Angst vor dem Kommenden sei unbegründet – gerade, was den Arbeitsmarkt angeht. Zwar würden vermutlich viele althergebrachte Jobs verschwinden, dafür entstünden aber neue. Grundsätzlich sei das nicht einmal unbedingt neu: So hätte sich vor 50 Jahren vermutlich auch niemand gedacht, dass heute Menschen als Suchmaschinenoptimierer arbeiten.

 

Investitionen allerorten

Ob Facebook, Google, SAP oder Volkswagen – viele große Konzerne investieren derzeit in Künstliche Intelligenz. VW zum Beispiel hat in München vor nicht allzu langer Zeit das Data Lab eingerichtet, wo Potentiale der KI erprobt und in konkrete Projekte umgesetzt werden. Das ganze Konzept steckt noch ein wenig in den Kinderschuhen, schon jetzt kommen allerdings selbstlernende Computer zum Einsatz. Die Geräte helfen etwa dabei, Ersatzteilpreise für verschiedene Märkte festzulegen. Auch die Produktion soll künftig verstärkt auf Künstliche Intelligenz setzen. Der Konzern betont aber: Die letztendliche Entscheidungsgewalt hat immer der Mensch.

Künstliche Intelligenz

Wird aus dem Spielzeug bald mehr? Drohnen könnten künftig etwa Pakete ausliefern.

 

Autonome Waffen

Wenngleich die Meinungen zum generellen Umgang mit der KI zwiespältig sind, in einigen Punkten sind sich die Deutschen einig: So finden etwa 90 Prozent der Bevölkerung, dass es illegal sein sollte, wenn sich ein Roboter als ein menschliches Wesen ausgibt – etwa in Form eines Chatbots im Internet.

Nicht ganz so geschlossen lehnen wir hierzulande den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu militärischen Zwecken ab. Trotz zahlreicher Bedenken wird vielerorts an autonom agierenden Waffensystemen geforscht. Im Sommer 2017 unterzeichneten 100 Unternehmer und Sicherheitsexperten einen offenen Brief an die UN, in welchem sie davor warnen, autonome Waffen zu missbrauchen. Der Umgang mit derartigen Systemen sei wie die Büchse der Pandora – einmal geöffnet, ist sie nicht mehr zu schließen.

Besonders die Frage, was passiert, wenn ein autonom agierendes Waffensystem von fremden Hackern übernommen wird, macht Experten Sorgen. Befürworter der Technologien führen an, dass Soldaten geschützt würden, da sie nicht mehr direkt im Kampfgebiet agieren müssten. Kritiker befürchten allerdings, dass gerade hierdurch die Hemmschwelle sinkt, es also häufiger zu bewaffneten Konflikten kommt. Und diese könnten länger dauern. Denn: Ein Kampfroboter wird nicht müde, er sieht auch nicht ein, dass Krieg zu nichts führt. Leidtragende wären wohl besonders Menschen, die im Kampfgebiet leben. Selbst wenn man den Maschinen ethische Grundsätze beibringen könnte: Konsequenzen bei der Nichteinhaltung müssten sie nicht fürchten. Wie will man einen Roboter auch als Kriegsverbrecher bestrafen?

Trotz all dieser Bedenken entwickelt man weiterhin entsprechende Waffensysteme – eine Einschränkung, wie es sie etwa für den Umgang mit Chemiewaffen gibt, existiert bislang nicht. Vorreiter der Forschung sind besonders die USA, Russland, China und Südkorea.

 

Elon Musk und die KI

Kürzlich hat Tesla-Chef Elon Musk, selbst einer der größten Investoren in technologischen Fortschritt weltweit, eine drastische Warnung vor einer Zukunft, die durch Künstliche Intelligenz bestimmt wird, ausgesprochen. Er betont:

Künstliche Intelligenz ist ein fundamentales Risiko für die Existenz der menschlichen Zivilisation — so sehr, wie es Autounfälle, Flugzeugabstürze, Drogen oder schlechtes Essen nie sein werden.

Auch der jüngst verstorbene Stephen Hawking warnte eindringlich vor dem unreflektierten Umgang mit der KI.

 

Künstliche Intelligenz morgen und übermorgen

Musk, Hawking und andere fürchten sich vor der so genannten technologischen Singularität, also dem Zeitpunkt, an dem Maschinen durch die KI so schlau geworden sind, dass sie sich mit rasender Geschwindigkeit selbst verbessern können. Damit wäre den Menschen die Kontrolle entzogen.

Doch der Weg bis dorthin ist noch weit – und wird uns vielleicht gar nicht zu diesem Ziel führen. Bis Computersysteme über eine generelle Künstliche Intelligenz verfügen, wird es vermutlich noch Jahrzehnte dauern. Bislang können Maschinen selbstständig lediglich spezialisierte Aufgaben lösen. Julia Kirby warnt davor, die Zukunft allzu pessimistisch zu sehen. Schließlich habe die Vergangenheit gezeigt, dass die Menschheit durchaus in der Lage sei, potentiell gefährlichen Entwicklungen im Vorhinein wirksam zu begegnen. Wenn wir die Möglichkeiten neuer Technologien weise nutzen, bietet die Künstliche Intelligenz schließlich riesiges Potential. So könnten Maschinen künftig gefährliche Aufgaben in der Produktion übernehmen und so die Menschen entlasten.