GoEuro im Test: Findet das Berliner Startup wirklich die beste Route?

GoEuro im Test

Im letzten Beitrag haben wir das Berliner Startup GoEuro vorgestellt. Das Unternehmen wirbt damit, die Reisevorbereitungen deutlich zu vereinfachen. Denn: Sämtliche Planungen sollen nun über GoEuro erledigt werden können. Anstatt also wie bisher zwischen verschiedenen Reiseanbietern und Preisvergleichen hin- und herzuwechseln, verspricht das Startup dem Benutzer eine Art Komplettpaket. Wir haben den Test gemacht: Finden die Berliner wirklich die beste Route zum Ziel?

 

Schritt 1 – Wo soll’s denn hingehen?

Grundsätzlich sind wir in der Wahl unseres Ziels ziemlich frei – wir wollen ja leider nicht wirklich verreisen. Um es GoEuro aber nicht zu einfach zu machen, wählen wir eine Stadt außerhalb Deutschlands. Zusätzlich soll der angepeilte Ort auf möglichst viele verschiedene Weisen erreichbar sein, wir wollen das Portal ja auch ordentlich fordern! Auf dieser Grundlage fällt unsere Wahl auf Venedig. Wir geben also die Lagunenstadt als Ziel auf der Website des Unternehmens ein, als Startpunkt wählen wir die schöne Rattenfängerstadt Hameln im Umland von Hannover. Um unseren Test möglichst realistisch zu halten, legen wir Montag, den 03. September als Reisetag fest – denn die allermeisten planen ihren Urlaub ja mit ein wenig Vorlauf.

GoEuro im Test

Von Hameln nach Venedig – im Hintergrund sehen wir allerdings Florenz …

 

Schritt 2 – Das Ergebnis von GoEuro

Drücken wir auf den „Suchen“-Button, beginnt das Portal mit der Arbeit. Bis das Netz durchforstet ist, dauert es nur kurze Zeit, nach etwa 30 Sekunden bekommen wir unsere Ergebnisse präsentiert. GoEuro sucht grundsätzlich nach Verbindungen per Bus, Bahn und Flugzeug. Die Ergebnisse werden entsprechend präsentiert: Jede Reisemöglichkeit wird nach dem jeweiligen Haupttransportmittel einer der drei Kategorien zugeordnet.

Ganz oben sehen wir zunächst ein Diagramm, wo wir auf einen Blick Preise und Reisedauer der drei Fortbewegungsmittel auf einen Blick vergleichen können. Angezeigt wird dort jeweils die beste Verbindung hinsichtlich Kriterien wie Preis, Dauer, Geschwindigkeit oder Abfahrts- und Ankunftszeit. Weiter unten finden wir dann die detaillierten Informationen zu den einzelnen Reisen.

 

Mit Zug und Bus

Für Venedig stellen wir zunächst fest, dass wir nicht mit dem Bus fahren können – das wäre allerdings bei einer Entfernung von über 1100 Kilometern auch keine wirklich praktische Verbindung. Die Anreise per Bahn ist zwar möglich, hier bekommen wir allerdings lediglich zwei Möglichkeiten, die – wenig überraschend – mit einer ziemlich hohen Reisedauer aufwarten. Immerhin sind beide Fahrten günstig: In der zweiten Klasse und ohne Sitzplatzreservierung könnten wir für knapp 50 Euro von Hameln nach Venedig fahren.

GoEuro im Test

Eine Zugfahrt mach vielleicht Spaß, ist hier aber definitiv nicht die beste Option!

 

Mit dem Flugzeug

Die vielversprechendste Alternative scheint für uns aber das Flugzeug zu sein: Mit der schnellsten Verbindung kommen wir in unter drei Stunden an unser Ziel. Aber Vorsicht – die Rechnung beginnt vom nächstgelegenen Flughafen an, und der befindet sich in Hannover, immerhin 60 Kilometer von der Rattenfängerstadt entfernt. Um also die kompletten Reiseinformationen angezeigt zu bekommen, müssen wir in der Detailansicht oben rechts den Punkt „Inklusive Flughafenverbindung“ aktivieren. Schon werden aus knappen drei gute sechs Stunden. Dafür rechnet GoEuro aber auch die am Flughafen benötigte Zeit für den Check-in mit ein.

Entscheiden wir uns nun für die schnellste Reiseverbindung, müssten wir stolze 300 Euro dafür bezahlen. Auch hier lauert eine kleine Falle. Uns fällt auf: Der Reisepreis ändert sich nicht, wenn wir die Fahrt zum Flughafen hinzuwählen. Ein genauerer Blick zeigt: Die S-Bahn-Strecke von Hameln zum hannoverschen Flughafen deckt GoEuro bislang nicht ab. Es werden demnach keine zusätzlichen Preise angegeben, die Fahrtzeit von Hameln nach Hannover beruht auf der Google Maps-Angabe – allerdings mit dem Auto.

GoEuro im Test

Bislang deckt GoEuro nicht jede Verbindung ab.

Aber zurück zu den Flugpreisen: 300 Euro sind uns zu teuer, wir werfen einen Blick auf die günstigste Flugverbindung. Die kostet zwar nur 98 Euro, dafür dauert die Anreise ziemlich genau 18 Stunden – zwei Drittel der Zeit verbringen wir auf dem Flughafen in Warschau.

Wir entscheiden uns für einen Kompromiss und wählen den Button „Empfohlen“ aus: Hier stellt GoEuro die beste Route hinsichtlich eines Kosten-Dauer-Faktors vor. So könnten wir die Strecke in achteinhalb Stunden für 117 Euro bewältigen – inklusive aller Fahr-, Warte- und Umsteigezeiten; lediglich die Preise der Fahrt von Hameln zum Flughafen sind nicht inbegriffen.

 

Schritt 3 – Geht das besser?

Nun wollen wir den Vergleich wagen. Dafür unterteilen wir unsere Reise in drei Etappen – von Hameln zum Flughafen in Hannover, von dort zum Flughafen in Venedig und schließlich vom Flieger ins Innere der italienischen Kulturstadt.

 

Von Hameln nach Hannover

Von der Rattenfängerstadt aus bedient die S-Bahn-Linie S5 den hannoverschen Flughafen. Die erste Etappe ist also relativ simpel: Wir steigen am Hauptbahnhof in den Zug und fahren bis zur Endstation, dem Flughafen. Die Preise hierfür sind fix, wir müssen für die einstündige Fahrt 16 Euro bezahlen.

 

Von Hannover nach Venedig

Ebenso wie GoEuro legen wir anderthalb Stunden Aufenthalt am Flughafen fest, bislang dauert unsere Reise also etwa zweieinhalb Stunden. Nun heißt es einen günstigen Flieger finden! Über verschiedene Vergleichsportale stoßen wir auf Unmengen an Flügen – aber: nur zwei liegen preislich unter den Empfehlungen von GoEuro, wenn wir den achtzehnstündigen Marathon einmal außen vor lassen. Eine der Verbindungen ist ebenfalls mit einer ziemlich langen Wartezeit verbunden, hier hätten wir über vier Stunden Aufenthalt in Kopenhagen. Die andere Verbindung läuft über Brüssel und dauert inklusive der dortigen Umsteigezeit vier Stunden und zehn Minuten. Preislich liegen wir bei 109 Euro. Rechnen wir nun unsere zweieinhalb Stunden hinzu, kommen wir bislang auf eine Reisezeit von sechs Stunden und 40 Minuten.

GoEuro im Test

Auf nach Venedig!

 

Vom Flughafen in die Innenstadt

Nun müssen wir noch vom Flughafen in Venedig in die historische Innenstadt kommen – wir wollen uns schließlich den Markusplatz anschauen! Sowohl unsere GoEuro-Verbindung als auch der anderweitig recherchierte Flug enden in Venedig Tessera. Damit erreichen wir die Lagunenstadt etwa zwölf Kilometer vom Zentrum entfernt. GoEuro veranschlagt 30 Minuten Zeit, um vom Flugzeug in ein öffentliches Verkehrsmittel umzusteigen – wer etwas Erfahrung an Flughäfen hat, weiß, dass diese Rechnung recht optimistisch ausfällt.

Legen wir diese Zahl dennoch auch unserer Gegenrechnung zugrunde, wären wir bereits sieben Stunden und zehn Minuten unterwegs. GoEuro bietet uns eine sechszehnminütige Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Stadtzentrum, für welche wir sechs Euro bezahlen müssen. Eine Recherche ergibt: Wir können per Vaporetto (eine Art Wasserbus), per Wassertaxi oder per Bus ins Zentrum fahren. Das Wassertaxi schlägt mit etwa 120 Euro zu buche, dafür finden aber auch bis zu sechs Personen im Fahrzeug Platz. Der Vaporetto kostet pro Mitfahrer 15 Euro. Die Busfahrt schließlich bekommen wir für knapp acht Euro pro Person. Entscheiden wir uns für letztgenannte Option, sind wir in 25 Minuten im Zentrum.

 

Schritt 4 – Unsere Auswertung

Fassen wir zusammen: Mit GoEuro reisen wir in siebeneinhalb Stunden für 117 Euro von Hameln nach Venedig. Zu beachten ist allerdings, dass – sofern wir mit der S-Bahn zum hannoverschen Flughafen fahren – noch 16 Euro auf den Preis aufaddiert werden müssen. Zeitlich sparen wir im Vergleich zur angebotenen Schätzung allerdings etwa 15 Minuten. Zweitens stimmen die Angaben für den venezianischen Nahverkehr nicht ganz: Wir benötigen hier zehn Minuten mehr Zeit und zahlen dafür zwei Euro mehr. Insgesamt kommen wir auf folgendes Ergebnis:

GoEuro: 7h 25 min, 135 €

Dagegen ergibt sich für unseren angestellten Vergleich:

ohne GoEuro: 7h 35 min, 133 €

Beide Ergebnisse sind zwar nicht identisch, ähneln sich aber sehr stark. Beachtenswert bleibt allerdings die Recherchedauer. Über GoEuro erhalten wir die benötigten Informationen in nicht einmal einer Minute, während wir für unser Vergleichsangebot etwa eine Stunde recherchiert haben.

Unser Fazit lautet deshalb: GoEuro ist definitiv einen Blick wert!