Facebook wird zum Datingportal: Warum Mark Zuckerbergs Kuppel-Konzept tatsächlich funktionieren könnte

Facebook als Datingportal?

Auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz F8 in San José ließ Mark Zuckerberg neben Statements zum Facebook-Datenskandal eine weitere Katze aus dem Sack: Die Plattform soll zum Datingportal werden. Was seltsam klingt, könnte ziemlich gut funktionieren. Denn: Zuckerberg hat Kuppler-Erfahrung – der Facebook-Vorgänger FaceMash war schließlich nichts anderes als ein Werkzeug, mit dem Studenten attraktive Kommilitonen kennenlernen konnten.

 

Das Netzwerk nutzen

Eigentlich ist die Idee, Facebook zu einem Datingportal auszubauen, ziemlich genial. Alle notwendigen Daten dafür sind ja bereits vorhanden. So kann das soziale Netzwerk anhand des Social Graphs, also dem Netz von Freundschaften und Interessen (Likes) eines Nutzers, relativ gut einschätzen, welche potentiellen Partner ihm vorgeschlagen werden könnten. Diesen riesigen Wissenspool nutzen bereits zahlreiche Dating-Apps für sich aus – Nutzer können sich dort mit ihrem Facebookprofil anmelden. Es lag also nahe, dass Zuckerberg selbst irgendwann direkt auf den Zug aufspringen würde. Einen ziemlich lukrativen Zug, wohlgemerkt. Singlebörsen schießen in den letzten Jahren aus dem Boden, angeblich basiert mittlerweile jede dritte US-amerikanische Ehe auf einer Internetbekanntschaft.

Facebook weiß eine ganze Menge über seine Benutzer. Der geheimnisvolle Algorithmus hinter dem Netzwerk kann potentielle Interessen ziemlich gut einschätzen – genauso funktioniert ja die erschreckend genaue Zuteilung von Werbeanzeigen. Eben jener Algorithmus soll nun dazu dienen, Menschen miteinander zu verkuppeln.

 

Auf Partnersuche

Facebook könnte also ziemlich passgenaue Partnervorschläge in petto haben. Dazu kommt: Das soziale Netzwerk hat mittlerweile über zwei Milliarden registrierte Nutzer – und damit eine ganze Menge potentieller Kuppelmöglichkeiten. Zuckerberg müsste es also nur schaffen, seine Kunden für Dating zu begeistern.

Für dieses Ziel hat man sich bereits einige Gedanken gemacht. Bislang dringen allerdings wenig Informationen an die Öffentlichkeit. Zuckerberg selbst sagte in San José, die Datingfunktion werde ein Bereich sein, dem man ausdrücklich beitreten muss – nicht jeder Facebook-Nutzer ist also automatisch Ziel von Datinganfragen. Auch der bereits etablierte Messenger wird nicht für entsprechende Chats genutzt, es wird einen separaten Kanal geben. Ein Datingprofil soll sich darüber hinaus wesentlich von der normalen Seite eines Nutzers unterscheiden: So würden lediglich Vornamen angezeigt und die Freunde des Profilinhabers könnten weder sehen, dass dieser die Datingoption nutze, noch würden sie ihm als potentielle Partner vorgeschlagen.

Was nun erst einmal nach einem sinnvollen Konzept klingt, stimmt dennoch nachdenklich: Zwar werden alle Informationen nach außen hin offenbar fein säuberlich getrennt – das Unternehmen Facebook hat aber selbstverständlich volle Einsicht.

Es bleibt abzuwarten, inwieweit Facebook sich auf dem lukrativen Markt des Onlinedatings etablieren können wird – das entsprechende Potential bringt Zuckerbergs Netzwerk auf jeden Fall mit. Ein kleiner Hinweis, dass hier etwas Großes bevorsteht, fand sich bereits unmittelbar nach Zuckerbergs Ansprache auf der F8: Der Kurs des potentiellen Konkurrenten Tinder sackte ziemlich spektakulär in den Keller.