Wenn die KI außer Kontrolle gerät: „Die Tyrannei des Schmetterlings“ von Frank Schätzing

Frank Schätzing: "Die Tyrannei es Schmetterlings"

Ein Buch über Künstliche Intelligenz. Mal wieder. Ein Roman, der technische Trends in der Fiktion fortsetzt und sie zur Gefahr für die gesamte Menschheit werden lässt, ist wahrlich nicht neu. Aber: Auf dem Cover von „Die Tyrannei des Schmetterlings“ steht ein ganz besonderer Name. Frank Schätzing. Spätestens seit 2004 „Der Schwarm“ die Bestsellerlisten stürmte, schreibt Schätzing in der deutschen Thriller-Riege ganz oben mit. Wir haben uns das neueste Werk des Autors angesehen.

 

Wenn der Computer lebendig wird

Wie gesagt, popkulturelle Fiktionen zur Künstlichen Intelligenz gibt es zuhauf: Ob nun „Terminator“, „Matrix“, „Minority Report“, Dan Browns „Origin“ oder gar der eine oder andere „Tatort“: Die Computer spielen verrückt. Eigentlich ist es ja kein Wunder – die Angst vor der technischen Singularität, dem Zeitpunkt, an dem Maschinen durch die KI so schlau geworden sind, dass sie sich mit rasender Geschwindigkeit selbst verbessern, ist allgegenwärtig. Ob sie begründet ist, sei einmal dahingestellt. Fest steht jedenfalls: Künstliche Intelligenz ist zum Verkaufsschlager avanciert.

 

Ein tyrannischer Schmetterling

Was macht Schätzings Buch also zu einem besonderen? Oder anders gefragt: Lohnt „Die Tyrannei des Schmetterlings“ einen Blick? Die Handlung startet in Afrika, wo ein Warlord nebst Entourage von einer ziemlich abgedrehten Superwaffe spektakulär ins Jenseits befördert wird. Ziemlich abrupt danach begibt sich der bereits leicht verwirrte Leser nach Kalifornien, wo er den Provinz-Sheriff Luther Opoku bei einer Mordermittlung begleitet. Später nimmt die Verwirrung sogar noch zu, denn es geht in ein Paralleluniversum.

Genau dieser Schritt von Thriller zu Science Fiction ist einer der großen Kritikpunkte des Buchs. Wenn Schätzing in einem Roman eine Art universelles Angstthema behandelt, dann kann er sich mit dem Turn zu phantastischen Paralleluniversen keinen Gefallen tun. Denn: Je näher an der Realität, an derzeit konkret fassbaren technischen Entwicklungen sich der Plot bewegt, desto eher holt er seine Leser ab. Insbesondere wenn man ein Buch damit bewirbt, aktuelle Entwicklungen zu thematisieren, überrascht eine derartige Wende nicht unbedingt in einem positiven Sinne.

Frank Schätzing: "Die Tyrannei es Schmetterlings"

 

Sprachverwirrung

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Sprache des Romans. Da ist von verschiedenen Lauten, die zusammen Stille ergeben, die Rede. Seltsam. Gewaltige Buchstabenkonstrukte wechseln sich mit bedeutungsschwangeren Einwortsätzen ab. Gewöhnungsbedürftig. Und dann wird die Landschaft beschrieben. Und nochmal, und nochmal. Eigentlich sollte ein Autor wie Frank Schätzing wissen, dass es den Bildern im Kopf des Lesers nicht unbedingt gut tut, die Erscheinungsform eines jeden Grashalms auszuformulieren. Etwas weniger wäre hier definitiv mehr gewesen. Übrigens: Das Buch bringt es auf stolze 728 Seiten – auch das hätte nicht sein müssen.

Am Ende bleibt ein zwiespältiger Eindruck. „Die Tyrannei des Schmetterlings“ ist ein solider Thriller – besonders in der ersten Hälfte. Aber mehr eben auch nicht. Es ist ein Buch, das in der Flut der Neuerscheinungen untergegangen wäre; ein paar wohlwollende Kritiken bei Amazon oder auf Lovelybooks hätte es gegeben, mehr nicht. Aber: Auf dem Cover steht eben der Name Frank Schätzing. Ein Autor, der wahrgenommen wird. Gemessen an seinem Opus Magnum, gemessen an „Der Schwarm“ kann „Die Tyrannei des Schmetterlings“ nur verlieren.