Auf dem Weg ins All: Wie wahrscheinlich ist eine Mondkolonie?

Mondkolonie - möglich oder Science Fiction?

Die USA werden den Mond besiedeln, hieß vor gar nicht langer Zeit von Seiten Donald Trumps. Was amerikanische Künstler begeistert zum Anlass für neue Karikaturen des US-Präsidenten nahmen, wirft dennoch eine Frage auf: Kann das funktionieren? Denn allen rhetorischen Spitzfindigkeiten gegenüber einem Präsidenten, der gern in Superlativen spricht, zum Trotz: Der Gedanke an die Besiedlung ferner Welten fasziniert uns alle. Nachdem nun eine entsprechende Marsmission offenbar weiter in die Ferne rückt, fokussiert Mr. Trump also auf den Mond. Wir werfen einen Blick auf unseren Nachbarn und fragen: Ist eine Mondkolonie möglich?

 

Mond und Mensch

Den Mond kann man ohne Probleme sehen, das unterscheidet ihn schon einmal von den meisten anderen Himmelskörpern – mit Ausnahme der Sonne natürlich. Trotzdem ist der Mond etwas ganz Besonderes: Er ändert zum Beispiel scheinbar seine Größe, denn zwischen Voll- und Neumond liegen verschiedene Phasen, in denen er mal als Kreis, mal als Halbkreis und mal als schmale Sichel erscheint. Das fasziniert uns seit jeher. In vielen Kulturen dient der Mond deshalb der Zeitmessung. So basiert etwa der islamische Kalender mit seinen 354 Tagen noch heute auf dem Mondjahr.

Bereits vor Jahrtausenden haben sich Menschen mit dem Mond beschäftigt, das überliefern uns ganz verschiedene Quellen. Eine der bekanntesten ist die Himmelscheibe von Nebra, eine runde Bronzeplatte, die unter anderem die Mondphasen zeigt. Das Besondere: Das gute Stück ist vermutlich etwa 4000 Jahre alt! Gefunden wurde die Scheibe übrigens auf einem Hügel in Sachsen-Anhalt – offenbar seit jeher ein guter Platz zur Himmelsbeobachtung.

 

Nah und doch so fern

Wenn uns etwas fasziniert, dann wollen wir es anfassen. Was als Kind für Spielzeuge aller Art gilt, überträgt sich im Erwachsenenalter durchaus auch auf größere Objekte. Einen Himmelskörper zum Beispiel. So liegt es irgendwie nahe, dass bereits früh Bestrebungen einsetzen, dem Mond einen Besuch abzustatten.

Frühen Forschern war zunächst noch klar: Eine richtige Reise ist Zukunftsmusik. Also beschränkte man sich erst einmal auf eine Erforschung per Fernglas. Eine berühmte frühe Karte zeichnete auf solch einer Grundlage zum Beispiel Galileo Galilei. Stellten sich diese ersten Arbeiten im Nachhinein noch als ziemlich ungenau heraus, fertigten Forscher Ende des 19. Jahrhunderts bereits per Hand Darstellungen an, die teils noch heute Gültigkeit besitzen.

Mondkolonie - möglich oder Science Fiction?

Buzz Aldrin auf dem Mond. CC-PD NASA

Einen wahren Sprung machte die Mondforschung aber erst, als eine richtige Reise in den Bereich des Möglichen rückte. Während die Einsätze von Raumsonden wie Lunik I, II oder III heute fast in Vergessenheit geraten sind, ist die Mission von Apollo 11 wohl jedem ein Begriff. Denn: Sie brachte 1969 die ersten Menschen auf den Mond. Am 20. Juli des Jahres setzte Neil Armstrong den Fuß auf die Oberfläche des Himmelskörpers. Auf die von Armstrong und seinem Kollegen Buzz Aldrin durchgeführte Mission folgten sechs weitere Flüge des Apollo-Programms. 1972 schließlich verzeichnen wir die vorerst letzte Landung von Menschen auf der Mondoberfläche.

Dennoch hat sich seither einiges getan. Die USA, Russland, Japan und in jüngster Zeit auch China und Indien beschäftigen sich mit der Erforschung des Mondes. Zwar landen derzeit keine Astronauten mehr auf seiner Oberfläche, Raumsonden liefern jedoch spannende neue Erkenntnisse.

 

Warum so lange keine bemannte Mission?

Ein wesentlicher Grund dafür, dass seit Anfang der 70er Jahre kein Mensch mehr einen Fuß auf den Mond gesetzt hat, dürften die immensen Kosten eines solchen Vorhabens sein. Während der Hochzeit des Kalten Krieges entbrannte ein regelrechtes Wettrennen zwischen den USA und der Sowjetunion. Zwei Weltmächte im Wettstreit, jede wollte schneller, besser, stärker als der Konkurrent sein. Zu jener Zeit wurden also fast zwangsläufig riesige Summen in prestigeträchtige Projekte gesteckt – so etwa die Landung auf dem Mond.

 

Was eine Mondkolonie leisten könnte

Trotz der immensen Kosten will Donald Trump also Menschen auf den Mond schicken. Damit ist der amtierende Präsident der USA nicht allein, bereits einige seiner Vorgänger versprachen im Wahlkampf spektakuläre Abenteuer im All – allein zu Prestigezwecken? Während Barack Obama etwa einen bemannten Marsflug für 2030 versprach und anschließend das Shuttleprogramm der NASA strich, verlegte sich Trump also auf den Mond. Man könnte jetzt mit gutem Grund annehmen, dass hierhinter Wahlkampftaktik steckt – schließlich ist die Apollo 11-Mission noch immer fest im kulturellen Gedächtnis der amerikanischen Gesellschaft verankert. Neben politischen Erwägungen steht jedoch die Frage nach einem konkreten, nach einem fassbaren Nutzen eines bemannten Mondflugs oder gar einer Mondkolonie.

Ein wirtschaftlicher Zweck etwa könnte in der Gewinnung von Rohstoffen liegen – es kommen verschiedene Metalle und Mineralien in der Oberfläche des Mondes vor. Ob und wie entsprechende Vorkommen allerdings ausgebeutet werden könnten, ist derzeit nicht ganz klar; Überlegungen zu diesem Thema sind momentan noch sehr theoretisch. Ein interessanter Ansatz stammt bereits aus den 1970er Jahren und geht auf den Raketentechniker Krafft Arnold Ehricke zurück. Der sah in den natürlichen Gegebenheiten des Mondes einen erheblichen Standortvorteil: So sorge etwa die geringe Gravitation des Erdtrabanten dafür, dass Rohstoffe mit sehr viel geringerem Energieaufwand abgebaut und transportiert werden könnten als auf der Erde.

Neben dem Gewinn von Rohstoffen könnte eine Mondkolonie auch als eine Art Übung dienen, als Sprungbrett für eine weitergehende Kolonisation des Universums. Die verhältnismäßig gut erforschte, dennoch aber menschenfeindliche Umwelt des Mondes könnte die idealen Bedingungen bieten, um neue Technologien zu testen. Auch die bestehende Erforschung der Mondoberfläche könnte intensiviert werden: Wenn permanent bemannte Stationen auf der Oberfläche entstehen würden, wäre es theoretisch möglich, komplexere (und damit wartungsintensivere) Gerätschaften für die Forschung einzusetzen.

Wenngleich also durchaus ein wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Nutzen einer Mondkolonie gegeben ist, bleibt die Frage: Ist so ein Vorhaben überhaupt machbar?

Mondkolonie - möglich oder Science Fiction?

Sind wir bald wieder unterwegs zum Mond? Hier startet die Apollo 11-Mission … CC-PD NASA

 

Der Bereich des Möglichen

Eine solche Frage mit einem einfachen „ja“ oder „nein“ zu beantworten, ist tatsächlich gar nicht so einfach, viele Faktoren sind abzuwägen. Zunächst drängt sich ein Gedanke auf: Was vor 50 Jahren schon einmal funktioniert hat, sollte doch heute kein Problem mehr darstellen. Grundsätzlich gilt durchaus, dass ein bemannter Flug zum Mond technisch umzusetzen wäre – wenngleich heutzutage glücklicherweise sehr viel höhere Anforderungen an die Sicherheit der Astronauten gestellt werden als zu Zeiten von Apollo 11. Problematischer als der Flug wäre eher die Unterbringung der Siedler auf dem Mond. Doch auch hierfür gibt es Lösungen – zumindest auf dem Papier.

Der Physiker Florian Nebel hat zum Beispiel vorgeschlagen, Tunnel in die Innenseiten von Mondkratern zu treiben. Aus dem so gezwungenermaßen abgebauten Gestein ließe sich Aluminiumoxid gewinnen. Und hieraus könnte unter anderem Sauerstoff hergestellt werden, um die Kolonie zu versorgen. Was Nebel schreibt, klingt einfach und wirkt wissenschaftlich fundiert – der Autor ist allerdings nicht nur Physiker, sondern auch Science Fiction-Autor.

Einmal angenommen, die technische Realisierbarkeit wäre kein Problem, wo lägen die Kosten? Auch hierfür bietet Herr Nebel eine Lösung: 275 Milliarden Dollar kostet seiner Meinung nach die Errichtung einer Mondkolonie – eine immense Summe.

Das Projekt „Leben auf dem Mond“ wäre wohl nicht von einem Staat allein zu stemmen, eine Gemeinschaftslösung müsste her. Und warum auch nicht? Bei der ISS funktioniert die Kooperation ja auch. Die Vorteile einer internationalen Zusammenarbeit liegen auf der Hand: Eine Mondkolonie als gemeinsames Projekt könnte nicht nur die Kosten für die einzelnen Beteiligten senken und dazu dienen, die Ausgaben vor der Bevölkerung zu rechtfertigen, sondern auch außenpolitisch Zusammenhalt und Kooperationsbereitschaft demonstrieren.

 

Der Mondvertrag

Zu bedenken bliebe allerdings ein nicht zu unterschätzender Faktor: Konkurrenz. Die ISS dient der Forschung, erfüllt letzten Endes hauptsächlich wissenschaftliche Zwecke. Auf dem Mond hingegen lagern Rohstoffe, ein konkreter wirtschaftlicher Nutzen ist hier sehr viel deutlicher als bei einer Raumstation im Erdorbit. Wie würden die Ressourcen verteilt? Und ganz generell: Wer darf überhaupt territoriale Ansprüche auf unserem Nachbarn erheben?

Fragen dieser Art regelt – zumindest in der Theorie – der so genannte Mondvertrag, der bereits 1979 in einer ersten Fassung entstand und fünf Jahre später ratizifiert wurde. Das Dokument sieht vor, dass alle Staaten gemeinsam den Mond besitzen, Ansprüche dürfen nur geltend gemacht werden, wenn damit keinem anderen Land geschadet und ein entsprechender Antrag von der UN genehmigt wird. Die Grundlage einer internationalen Mond-Kooperation wären also vorhanden … wäre der Vertrag nicht von lediglich 17 Staaten ratizifiert und von nur vier weiteren unterzeichnet worden. Keine der Nationen mit fortgeschrittenem Mondprogramm ist dabei: So haben weder die USA noch Russland, China oder Indien den Bedingungen formell zugestimmt.

Der Anreiz zur Gründung einer Mondkolonie mag also gegeben sein – die Umsetzung steht allerdings noch vor erheblichen Schwierigkeiten.