Eine Reise in die Vergangenheit: Das Europäische Hansemuseum in Lübeck

Das Europäische Hansemuseum in Lübeck

Lübeck im 17. Jahrhundert, historische Stadtansicht. CC-PD

Lübeck ist eine Stadt mit Geschichte, mit einer großen Tradition als Handelszentrum an der Ostsee. Noch heute ist man stolz auf das hanseatische Erbe, nicht umsonst darf man sich schließlich selbst als „Hansestadt Lübeck“ bezeichnen. Eine entsprechende Museumslandschaft, um das kulturelle Erbe zu hegen und vor allem einer neugierigen Öffentlichkeit zu präsentieren, fehlte lange Zeit. Seit Mai 2015 allerdings schafft das Europäische Hansemuseum hier Abhilfe. Und was für welche! Auf rund 12.000 qm präsentiert das Haus die wechselvolle Geschichte der Hanse und ist damit das weltweit größte Museum zum Thema. Wir haben die Ausstellung besucht und uns ein eigenes Bild gemacht.

 

Die Hanse – Seefahrer, Händler, Politiker

Zunächst einmal: Was ist eigentlich die Hanse? Eine Antwort auf diese Frage zu geben, ist tatsächlich gar nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Grundsätzlich zumindest verstehen wir unter der Hanse eine Vereinigung von deutschen Kaufleuten, die zwischen dem 12. und dem 16. Jahrhundert bestand. Der Handel war damals eine komplett andere Angelegenheit als heute. Zwischenstaatliche Verträge oder gar Freihandelsabkommen gab es nicht, hinzu kamen bei weiten Strecken Gefahren durch Wind, Wetter und Überfälle. Daneben mussten sich Kaufleute stets gegen Territorialherren durchsetzen – allein war das fast aussichtlos. Man gründete deshalb eine Gemeinschaft, einen Bund von Kaufleuten, die zusammen ihre Interessen vertreten wollten.

Besagten Kaufleuten kam schnell die Erkenntnis, dass besonders der direkte Handel, also die Geschäftsbeziehung ohne Zwischenhändler, lukrativ war. Um aber direkt an begehrte Waren zu gelangen, mussten teils erhebliche Strecken auf sich genommen werden. So konnten etwa in Russland und im nördlichen Skandinavien Pelze eingekauft und in Deutschland zu guten Preisen veräußert werden. Mit der Strecke stieg aber auch das Risiko, deshalb warfen die Hanseaten ihre Unternehmungen zusammen; sie trugen ein gemeinsames Risiko und teilten den Gewinn. Das Konzept ging auf: Die Hanse expandierte, ihre Mitglieder gründeten Kontore in zahlreichen Städten überall in Europa.

Je größer der wirtschaftliche Erfolg ihrer Mitglieder, desto mächtiger wurde die Hanse. Schon bald wurden ihre Kaufleute zu wichtigen Figuren innerhalb der europäischen Politik. Die Städte, in denen die Hanseaten lebten, wuchsen, wurden bedeutende Handelszentren. Damit stieg ihr Selbstbewusstsein. Sie kauften sich von ihren Fürsten frei, unterstanden als reichsunmittelbare Städte nur noch dem Kaiser.

 

Lübeck – Zentrum der hanseatischen Welt

Das wichtigste Zentrum der mittelalterlichen Hanse war Lübeck. Hier nahmen zahlreiche Unternehmungen ihren Anfang und hier begann die machtpolitische Einflussnahme der Hanseaten. Gemeinsam mit Hamburg fand sich Lübeck zum ersten Städtebund zusammen, dem sich bald zahlreiche weitere Siedlungen anschlossen: Die Hanse als wirtschaftliche und politische Institution war geboren.

Das Europäische Hansemuseum in Lübeck

Szene aus dem Hamburger Stadtrecht von 1497. CC-PD

 

Mediales Mittelalter im Hansemuseum

Das Europäische Hansemuseum präsentiert nun die spannende, wechselvolle Geschichte der Hanse von ihren Anfängen über die Hochzeit bis zum allmählichen Niedergang im 16. Jahrhundert. Dabei nutzt das Haus modernste Mittel, ohne aber das Ambiente eines klassischen Museums zu kurz kommen zu lassen.

Der Besucher bewegt sich in nachgebauten mittelalterlichen Szenen. Jeder Raum repräsentiert ein Hansekontor aus unterschiedlichen Zeiten – und von unterschiedlichen Orten. So startet der Rundgang am Ufer der Newa; hier erfährt der Besucher alles über die Anfänge der Hanse. Danach wird er ins Lübeck des 13. Jahrhunderts, nach Brügge oder nach London entführt. Jeder dieser Orte zeigt einen anderen Schwerpunkt der hanseatischen Geschichte. Da die Kaufmannsvereinigung erheblichen Einfluss auf die Gesellschaft ihrer Zeit nahm, ist jeder Raum auch ein Stück Sozialgeschichte, ein Einblick in das Leben in einer mittelalterlichen Stadt.

Einen Schwerpunkt legt das Hansemuseum auf die mediale Aufbereitung seines Themas. Der erste Raum etwa wartet mit einer interaktiven Karte auf, in einem anderen lassen sich die Vorkommen von Rohstoffen und deren Handelswege quer durch Europa nachvollziehen.

Während die einzelnen Themenräume mit ihrem Kontor-Ambiente nun das moderne Museum mit einem Schwerpunkt auf modernen Medien repräsentieren, fungieren die Übergänge dazwischen als Kontraste. Die einzelnen Szenen werden über kleine, kabinettartige Räume miteinander verbunden. Und dort setzt man bewusst auf klassisches Museum: Zeitgenössische Exponate wie Urkunden oder Rechnungsbücher werden hier in Vitrinen präsentiert, Texttafeln daneben geben Aufschluss über den Inhalt.

Das Europäische Hansemuseum in Lübeck

Medial inszeniertes Mittelalter im Hansemuseum. Copyright: Olaf Malzahn

Es ist insbesondere dieses Nebeneinander von Bildschirm und Vitrine, von modern und klassisch, das den besonderen Reiz des Museums ausmacht. Während die Kontorszenen fast gänzlich ohne Exponate auskommen und mit ihrem Nebeneinander von mittelalterlichem Ambiente und modernster Medientechnik bestechen, bieten die Zwischenräume mit ihren Zeitzeugnissen den Blick aus der Distanz heraus auf eine faszinierende Epoche.

Das Hansemuseum ist also definitiv einen Besuch wert! Alle Infos für Ihren Ausflug finden Sie im Übrigen hier.