Reisezeit 6: Bezahlter Urlaub am Labour Day und spontane Ausflüge zu den alten Goldminen

Labour Day - bezahlter Urlaub

Unsere Media Store-Autorin Ronja Kassebaum reist mit einer Freundin für ein halbes Jahr kreuz und quer durch Neuseeland. Im Gepäck: Tablet und Smartphone. In unserer Artikelreihe „Reisezeit“ berichtet sie von ihren Erfahrungen. Ob in der Stadt, im Gebirge oder am Meer – Ronja hat Reisetipps, App-Empfehlungen und die wichtigsten Dos und Don’ts für uns.

 

Labour Day

Die zweite Woche Arbeit beginnt mit einer angenehmen Überraschung. An diesem Montag ist nämlich der Labour Day (Tag der Arbeit), der hier den Arbeitern bezahlt wird. Es war bisher der wärmste Tag, und nach ein wenig Sonnen am Lake Dunstan ging es mit unseren Vermietern mit dem Speedboat auf den See. Wir sind bis zu den Goldminen Cromwells gefahren, als Kerry (besagter Vermieter) eine Tüte „traditioneller“ Kiwi-Chips hervorzauberte, und wir uns im Strom des Wassers treiben ließen. Nebenbei erzählten Kerry und seine Frau Annemarie von den Goldminen, und nach dieser kurzen Pause wurde die Geschwindigkeit wieder aufgenommen. Nach einiger Zeit ging es dann in einen Zweig des Sees, und Kerry und wir begannen zu angeln. Meine persönliche Meinung: es passiert für eine lange Zeit nicht sehr viel und ist daher eher ein Geduldsspiel – also nicht so meins. Wir sollten an diesem Tag noch Glück haben, denn es gelang, einen ziemlich großen Fisch zu angeln. Kerry übernahm die Kontrolle der Angel und das Schicksal des Fisches war besiegelt. Mit unserem Fang an Bord ging es dann weiter auf dem See und wir beide durften für kurze Zeit sogar selbst fahren. Es ist gar nicht so leicht, das Boot bei den leichten Wellen unter Kontrolle zu halten. Aber der viel wichtigere Faktor ist, dass es unglaublich viel Spaß macht! Nach ein paar Drehungen mit dem Boot ging es nach einer kurzen Rettungsaktion der Frisby des Hundes Winnie wieder ans Ufer.

Viele andere Leute waren auch auf dem Wasser unterwegs und einige Kinder fuhren mit ihren Wasserskis oder auf einen Board hinter dem Boot her.

Am nächsten Tag ging es dann wieder zur Arbeit. Die Aufgaben ähneln sich und müssen an jedem Weinberg gleich ausgeübt werden. Darunter fallen etwa das Verstellen der Drähte und das Ausdünnen der überschüssigen Weinblätter. Zwischendurch hatten wir sogar teilweise das Gefühl, dass es kaum noch Arbeit am Weinberg gibt, weshalb wir zum Unkraut entfernen übergegangen sind. So füllten sich fünf Tage und das Wetter wurde von Zeit zu Zeit schlechter. Am Donnerstag ließ der Regen keine Arbeit mehr zu. Wir konnten den Tag also zuhause verbringen, wurden allerdings auch nicht bezahlt. Ein Glück ist die Katze Louis auch tagsüber im Haus, weswegen wir die ganze Zeit mit ihm und dem Schauen von Filmen verbringen konnten.

Freitag konnten wir wieder arbeiten, aber das Wetter sollte gerade zum Wochenende zunehmend schlechter werden.

 

In Saint Bathans

Eine nette Arbeitskollegin hat uns empfohlen, am Wochenende nach Saint Bathans zu fahren, da es weiter östlich von uns liegt und es dort offenbar nicht regnete. Wir informierten uns nicht wirklich über den Ort, wussten aber dennoch, dass die Stadt als Geisterstadt bekannt ist. Google Maps zeigte passenderweise den Weg nicht mehr an, weshalb wir dachten, dass wir geradeaus fahren müssten. Irgendwann kam uns das ewige Geradeaus allerdings etwas seltsam vor – also schauten wir noch einmal nach. Und ja, es stimmte: Wir sind einen ziemlichen Umweg gefahren, konnten allerdings ohne umzudrehen noch nach Saint Bathans gelangen. Es ging über eine Schotterstraße ins sprichwörtliche Nichts und als wir im Ort ankamen, hätte man ihn ebenso beschreiben können. Circa 10 Leute leben in diesem abgeschotteten Ort. Unser Hauptproblem lag aber beim Benzin. Unser Tank war fast leer, die nächste Tankstelle schien uns aber ziemlich weit entfernt zu sein. Aber: Absurderweise stand in diesem menschenverlassenen Ort trotzdem eine einzige Tanksäule mit der Aufschrift 91. Genau das Benzin, das wir eigentlich tanken müssten! Allerdings hat man schon aus mehreren Metern Entfernung sehen können, dass diese Tanksäule voller Spinnweben und zu 99% bestimmt nicht mehr funktionsfähig zu sein schien. Gegenüber lag ein kleines Lokal, in dem sich genau vier Leute befanden. Wir fragten die Bewirtung, ob die Tanksäule funktioniert. Die Antwort war uns sowieso schon klar und bestätigte sich nur durch die Dame: natürlich nicht funktionsfähig. Sie meinte, die nächste Tankstelle befände sich in Ranfurly, was 40 km von uns entfernt ist. Für diese Entfernung musste der Sprit also noch reichen!

Ohne weiter darüber nachzudenken, begaben wir uns zunächst auf den kleinen Spaziergang um den Blue Lake, wo vor einigen Jahren Gold gefunden wurde. Die Wege dort sind sehr auf Touristen ausgelegt, da sich fast immer Informationsschilder zu den historischen oder geografischen Geschehnissen auf dem Weg befinden. Nach kurzer Zeit ging es wieder zurück zum Auto und zu unserem Tankproblem.

Urlaub am Labour Day

Der Blue Lake in Saint Bathans. Foto: Ronja Kassebaum, © MADSACK Media Store

 

Auf dem Weg nach Ranfurly fuhren wir so benzinsparend, wie es nur ging, und erreichten den kleinen Ort, ohne liegen zu bleiben. Zu unserer Überraschung war das Benzin dort viel günstiger als in Cromwell und wir füllten endlich unseren Notfall-Benzinkanister auf, den wir am Anfang unserer Reise im Warehouse gekauft hatten.

Es war noch ziemlich früh und wir informierten uns in der iSite, einem kostenlosten Touristenbüro, über Aktivitäten, die es in der Nähe gibt. Die freundliche Dame empfahl uns, nach Naseby zu fahren. Dort gibt es einen Wald mit schönen Wanderstrecken. Also auf nach Naseby!

 

Spontan nach Naseby

Dort angekommen, war es wunderschön. Sowohl schon in Ranfurly als auch in Naseby haben die Häuser noch einen sehr altertümlichen Baustil und die Geschäfte besitzen aufgemalte Aufschriften auf dem Vorbau. Ironischerweise meinte die Frau in der iSite, wir sollten uns erstmal die Stadt anschauen. Dank der Überschaubarkeit auch diesen Ortes war jener Punkt schnell erledigt und es ging zum Waldgebiet. Wir folgten dem kleinen Bach, der links neben uns verlief. Doch irgendwann kamen wir unbeabsichtigt von diesem Weg ab und folgten einer breiten Straße, die steil nach oben führte. Oben angekommen, bot sich ein toller 360 Grad-Ausblick über den Wald und die anschließenden grünen Wiesen. Weiter weg von uns zogen dunkelgraue Wolken auf, und wir konnten beobachten, wie es in der Entfernung regnete. Bestimmt kann man das auch hervorragend in Deutschland erleben, doch hier hat das Ganze einfach andere Dimensionen. Kilometer lang ist einfach nur Natur, und diese Wolken ziehen sich über den ganzen Himmel.

Hier sind wir mal wieder vom vorgegebenen Pfad abgekommen und suchten den richtigen Weg, wo sich auch der Bach befinden sollte. Nach sehr seltsam anmutenden Umwegen über steile Hänge, die alles andere als ein Weg waren, haben wir den Bach wiedergefunden. Der Weg zum Auto war auch nicht mehr weit, und wir konnten auf einer normalen Straße zurück nach Cromwell fahren.

Urlaub am Labour Day

Auf dem Weg nach Naseby. Foto: Ronja Kassebaum, © MADSACK Media Store

 

Unser Fazit

Wir sind mittlerweile schon seit einem Monat weg von zuhause und die Zeit geht bisher noch in einem überschaubaren Tempo vorbei. Das Wetter soll sich die nächsten Wochen nur noch verschlechtern und wir fragen uns langsam, wann der Sommer hier beginnt, da es langsam nervt, immer kalte Füße zu haben. In der nächsten Woche wird es in Cromwell das lang angekündigte Feuerwerk geben. Da es Silvester hier zu trocken ist, wird schon früher mit Raketen und Co. gefeiert. Wir sind gespannt!

 

Auch interessant:

Reisezeit 5: Queenstown und die ersten Erfahrungen auf dem Weinberg

 

 

 

 

Reisezeit 1: Ein neues Zuhause für sechs Monate – mein Auslandsjahr in Neuseeland!