Twitter will besser werden – nur wie?

Veränderungen bei Twitter

Belästigung, Abhängigkeit und Falschinformationen: In mehreren Interviews spricht Twitter-Chef Jack Dorsey über sich und seine Plattform. Und Twitter arbeitet an einigen Veränderungen.

Twitter kann ein furchtbarer Ort sein. Wer mitdiskutiert, kommt fast schon zwangsläufig mit Belästigung, Häme, Lügen oder Beschimpfungen in Kontakt. Wie geht man damit am besten um? Lernen, damit zu leben, alles zu ignorieren? Oder aussteigen, so wie Grünen-Chef Robert Habeck? Es gibt keine einfache Antwort auf diese Frage.

Denn ein großer Teil der Verantwortung liegt bei den sozialen Medien selbst. Twitter muss Twitter zu einem besseren Ort machen. Es ist ähnlich, wie man den Nutzern von Smartphones nicht einfach immer wieder sagen kann: „Leg doch einfach das Handy weg, mach doch einfach die App zu.“ Sondern stattdessen von den Tech-Unternehmen verlangen sollte: Macht eure Apps weniger abhängig, eure Software besser.

 

Twitter will sich ändern

Es ist nicht so, als hätte man das bei Twitter nicht verstanden. Im Sommer sagte CEO Jack Dorsey der Washington Post: „Das Wichtigste, was wir tun können, ist die Anreize, die wir in unser Produkt einbauen, zu untersuchen.“ Sie spiegelten wider, was die Nutzer mit dem Produkt tun sollten. „Und ich denke, dass sie nicht mehr richtig sind.“

Nun hat Dorsey erneut einige Interviews gegeben. Die Message ist ähnlich geblieben: Twitter hat Fehler gemacht, Twitter hat Probleme. Es soll sich etwas ändern. Im Interview mit dem „Rolling Stone“ zum Beispiel sagt Dorsey, er sei nicht stolz darauf, dass auf Twitter Filterblasen entstanden seien. Dass Twitter helfe, Menschen zu spalten: „Wir machen es den Menschen auf jeden Fall leicht, ihre eigenen Vorurteile zu bestätigen.“

An Einsicht mangelt es also weiter nicht. Twitter kennt die Probleme seiner Plattform – von Nazis über Fake News, bis zu dem Gefühl, dass man als Nutzer jede Menge Zeit in dem Netzwerk verbringen kann, ohne etwas Neues gelernt zu haben. Dorsey, das macht er klar, scheut sich deshalb nicht, die Dinge zu hinterfragen. In dem Interview mit dem Rolling Stone sagte er beispielsweise erneut, dass man bei Twitter derzeit überlege, was passiere, wenn man den „Like“-Zähler entfernt.

 

„Jack Dorsey hat keine Ahnung, was er will“

Doch: „Überlegen, was passiert, wenn…“ – das ist eine vage Aussage. Und so zeichnet ein zweites Interview, das ein paar Tage früher bei der „Huffington Post“ erschienen ist, ein etwas anderes Bild. Im Interview mit dem „Rolling Stone“ stellt Dorsey sich als eher widerwilliger CEO dar, als meditierender Punk. Er erzählt eine skurrile Geschichte, wie Mark Zuckerberg ihm einmal kalte, vom Facebook-Chef selbst getötete Ziege servierte. Mark Zuckerberg ist ein komischer Vogel, Jack Dorsey dagegen ein cooler Typ – das ist vielleicht nicht Dorseys Absicht, aber doch der Eindruck, der so entsteht.

„Jack Dorsey hat keine Ahnung, was er will“, kommt dagegen eine Journalistin der „Huffington Post“ nach ihrem Gespräch mit dem Twitter-Chef zum Schluss. Nach spezifischen Maßnahmen fernab der altbekannten Schlagworte gefragt, werde er schwammig. Die einzige konkrete Maßnahme, die Dorsey ihr habe nennen können, um das Problem der Belästigung in den Griff zu kriegen, sei, dass man untersuche, den „Report-Button“ ein bisschen offensichtlicher zu machen, irgendwann.

 

Twitter arbeitet an neuen Funktionen

Vielleicht sollte man solchen Interviews deshalb auch weniger Beachtung schenken. Twitter ist ein riesiges Unternehmen. Was gesagt wird, ist nicht so wichtig, wie das, was umgesetzt wird. Tatsächlich arbeitet Twitter gerade an einigen Veränderungen. Sie sollen von einer Gruppe Nutzer getestet werden. Auf diese Weise will Twitter die Nutzer in den Prozess einbinden.

Konkret geht es darum, wie Unterhaltungen auf Twitter funktionieren. Laut dem Portal „TechCrunch“, das einige der Funktionen schon gesehen hat, werden die Antworten auf einen Tweet zum Beispiel unterschiedlich eingefärbt. So lassen sich etwa die Antworten von Menschen, denen man selbst folgt und solchen, denen man nicht folgt, unterscheiden. In den Replys sollen Algorithmen für mehr Ordnung und Übersicht sorgen. Zudem wurden die Tweets auch ohne Interaktions-Symbole angezeigt.

Die Icons, um einen Tweet zu liken, darauf zu antworten oder ihn zu retweeten, erscheinen erst, nachdem man auf einen Tweet tippt. Darüber hinaus testet Twitter sogenannte „Eisbrecher“, mit denen sich Unterhaltungen starten lassen, außerdem ein Feld für Status-Updates. Insgesamt, so fasst es das Portal „The Verge“ zusammen, beschäftigen sich die neuen Funktionen nicht direkt mit dem Problem Belästigung. Sie seien vielmehr dazu gedacht, dass freundliche Menschen einander auf Twitter finden können.

Von Anna Schughart/RND

 

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