Die Mega-City im Wüstensand – Neom in Saudi-Arabien

Neom, die Smart City im Wüstensand

Neom, das ist zunächst ein Kofferwort, eine Zusammensetzung von neo für neu und mustaqbal, was im Arabischen Zukunft bedeutet. Neom ist vor allem aber eines: eine Stadt, eine Mega-City. Eine potentielle Mega-City der Zukunft, um genau zu sein.

 

Eine ganz andere Größenordnung

Die saudische Königsfamilie hat offenbar einen Hang zum Großen. Jeder, der sich auch nur ein wenig mit dem Land beschäftigt, wird schnell zu diesem Schluss kommen. Bereits in den 1980er Jahren errichtete man in Riad einen ziemlich gigantisch anmutenden Flughafen. Im Oktober 2017 stand dann der nächste große Coup an. Der Kronprinz Mohammed bin Salman führte in einer pompös angelegten Pressekonferenz seine Vision vor: Neom. Der Thronfolger liebt große Worte: „ein zivilisatorischer Sprung“, ein Ort für die „Visionäre der Welt“, das soll Neom sein.

Dahinter verbirgt sich ein gigantisches Projekt. Mitten in der Wüste soll der größte Technologiepark der Welt entstehen, umgeben von einer hochmodernen Stadt für die Angestellten, in der das Konzept Smart City in ganz neue Bahnen gelenkt wird.

 

Am Reißbrett

Leiten soll das Projekt übrigens ein Deutscher: Klaus Kleinfeld, ehemals Chef bei Siemens, ist berufen, die Idee zur Umsetzung zu führen. Über 26.000 qm hat er dazu zur Verfügung – eine Fläche, fast so groß wie Brandenburg, gelegen im Grenzgebiet zu Jordanien und Ägypten. Die Königsfamilie will 500 Milliarden US-Dollar für ihr Projekt auftreiben – welche Investoren bereits gewonnen wurden, ist allerdings eher unklar.

Anstatt bestehende Städte zu verbessern, geht man zurück ans Reißbrett. Eine Planstadt, die das moderne Saudi-Arabien abbilden soll. Neom ist Teil der Saudi Vision 2030, einer umfassenden Strategie zur Umstrukturierung bzw. Modernisierung des Landes. Und eine solche muss es geben.

 

Entwicklung muss her!

Saudi-Arabien ist ein Land mit junger Bevölkerung: Fast Dreiviertel der Menschen ist jünger als 30 Jahre, jedes Jahr strömen Hunderttausende auf den Arbeitsmarkt. Dieser Strom kann – sofern er richtig gelenkt wird – ein enormes Potential für die Wirtschaft des Landes bieten. Neom ist also nicht allein teures Prestige-Objekt, die Stadt soll ein riesiger Wirtschaftsstandort insbesondere für den Bankensektor werden. Dazu öffnet die Mega-City den in weiten Teilen noch kaum an den Rest des Landes angeschlossenen Nordwesten.

 

Neom als Smart City

Technisch will man in Neom ebenfalls neue Maßstäbe setzen. Die gesamte Stadt soll aus regenerativen Energien versorgt werden, der komplette Verkehr läuft – so der Plan – auf E-Basis. Glaubt man den Worten des Kronprinzen, wird in Neom Künstliche Intelligenz in „noch nie dagewesenem Maßstab“ zum Einsatz kommen – passend dazu sind entsprechende Forschungszentren geplant, um Neom auch als Wissenschaftsstandort attraktiv zu machen.

 

Ein politisches Vorhaben

Das Ziel der Saudis ist ein klar politisches. Einerseits will man sich im Wettstreit mit dem aufstrebenden Nachbarn Katar positionieren, darüber hinaus muss das als in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens als rückständig geltende Land dringend etwas für das eigene Image tun. Nur: Es bleibt abzuwarten, inwieweit ein hochmoderner Standort wie Neom dazu beitragen kann, die Außenwahrnehmung Saudi-Arabiens zu verbessern. Denn: Technologie ist nicht alles; um wirklich Anschluss an den „Westen“ zu finden, muss es eben auch gesellschaftliche Veränderungen geben – und die sind bislang nicht in Sicht.

 

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