Reisezeit 7: Eine vorgezogene Silvesterparty in Cromwell und zu Besuch am Gletscher Franz Josef

Am Gletscher Franz Josef

CC-BY 3.0, Papphase

Unsere Media Store-Autorin Ronja Kassebaum reist mit einer Freundin für ein halbes Jahr kreuz und quer durch Neuseeland. Im Gepäck: Tablet und Smartphone. In unserer Artikelreihe „Reisezeit“ berichtet sie von ihren Erfahrungen. Ob in der Stadt, im Gebirge oder am Meer – Ronja hat Reisetipps, App-Empfehlungen und die wichtigsten Dos und Don’ts für uns.

 

Abwechslung auf der Arbeit: ein neues Weingut

Die Woche begann mit dem typischen Arbeitsalltag auf dem Weingut. Diesmal allerdings hatten wir einen Arbeitsplatzwechsel vor uns: Wir befinden uns nicht mehr auf dem Rocky Point, sondern auf einem anderen Weingut auf der gegenüberliegenden Seite des Lake Dunstan. Hier haben wir unter anderem ein super ausgestattetes, beheiztes Häuschen, in dem wir unsere Pausen verbringen können.

Die Arbeit an sich unterscheidet sich nicht sonderlich von jener der letzten Wochen. Wir sind immer noch dabei, die Weinblätter auszusortieren und hatten schon wieder nicht sonderlich viel Glück mit dem Wetter. Aber: Es kündig sich Abwechslung an. Denn diese Woche findet das lang erwartete Feuerwerk statt und wir besuchen den Gletscher Franz Josef.

 

Das Zusammenleben in einer neuseeländischen Familie

Man könnte meinen, es ist komisch, irgendwo bei irgendwelchen Fremden einzuziehen. Aber ich würde behaupten, dass es mit den meisten „Kiwis“ sehr angenehm und stressfrei ist. Die Neuseeländer sind schließlich für ihre gelassene Art bekannt, und das haben wir auch bei Kerry und Annemarie gemerkt. Früh morgens werden wir stets von Kerry begrüßt, anschließend taucht meistens Hund Louis auf, schaut in unser Zimmer und springt auf das Bett. Da wird das Aufstehen nochmal um einiges schwieriger! Nach der Arbeit treffen wir dann meistens auf Annemarie, mit der wir uns erstmal über unseren Tag austauschten. Später kommt ab und an Daisy, die in einem Wohnwagen mit ihrem Freund im Garten wohnt, in den Wohnraum und sagt „hallo“. So hat man in einer komplett fremden Familie einen Alltag, und alle sind super freundlich zueinander.

 

Highlight in Cromwell: das Feuerwerk

Wie man vielleicht schon gemerkt hat, passiert das meiste während des Wochenendes. Es war Freitag, der 02.11.18, und das lang angekündigte Feuerwerk stand bevor. Wenn ich jetzt zurückschaue, kamen wir Mitte Oktober nach Cromwell und zu dieser Zeit waren schon Plakate aufgehängt. Dieser Termin kam mir immer so weit weg vor und wir waren uns noch nicht einmal sicher, ob wir an diesem Ort überhaupt so lange bleiben würden. Plötzlich ist es schon November und über einen Monat bin ich schon aus Deutschland weg!

Zwar nicht „unser“ Feuerwerk – aber trotzdem schön!

Dieses Feuerwerk symbolisiert den typischen Silvesterabend, der ja normalerweise mit Raketen und Co. um null Uhr gefeiert wird. In der Region Central Otago wird es allerdings zu dieser Zeit so trocken, dass offenes Feuer verboten ist. Deswegen findet das Feuerwerk hier einfach früher statt. Wir kamen gegen acht Uhr in Old Cromwell an und die Straße der winzigen Altstadt war voll mit Menschen, Musik und den verschiedensten Gerüchen. Es spielte eine Liveband und Bewohner tanzten, oder hörten wie wir einfach nur zu. Wir trafen auf eine ältere Frau aus der Stadt, die uns erzählte, dass sie eine Dokumentation zu diesem Abend anfertigte. Es war sehr spannend zu erfahren, dass sie sich mit Fotografie beschäftigt. Sie erzählte noch ein wenig mehr aus ihrem Leben und anschließend trennten sich unsere Wege wieder.

Für uns ging es weiter zu den einzelnen Ständen, die draußen aufgebaut waren. Dort wurden Schmuck, Holzschnitte und hauptsächlich Essen verkauft. Alle Menschen hatten eine tolle Zeit und so ungefähr alle Einheimischen waren an diesem Ort versammelt. Das Feuerwerk sollte gegen neun starten und wir stellten uns vorher noch an einem sehr speziellen Stand an: Dort backten drei Angestellte direkt vor den Augen des Kunden Kuchen, die von innen mit einem Aufstrich der Wahl gefüllt wurden. Auch wir probierten den Kuchen und waren sehr überzeugt. Gerade noch rechtzeitig bekamen wir unser Essen und setzten uns auf die Wiese, um das Feuerwerk zu genießen.

 

Die schlimmste Autofahrt meines Lebens

Am nächsten Tag schliefen wir erst einmal aus – es war ja schließlich Wochenende. Kerry bot uns an, kurz nach dem Auto zu sehen. Der Grund: Wir planten eine Fahrt zum Franz Josef Gletscher, eine Strecke von immerhin 332 Kilometern allein für die Hinfahrt. Dort wollten wir zwei Freundinnen aus Deutschland treffen. Kerry zeigte uns einige Funktionen, wie „Overdrive“, und fuhr mit uns zur günstigsten Tankstelle im Ort. Wir waren überrascht, wie viel günstiger es dort war! Anschließend checkten wir mit ihm noch Öl und Kühlwasser und waren bereit für die Fahrt.

In Cromwell selbst hatten wir ausnahmsweise sogar Sonnenschein, das sollte sich aber schnell ändern. Nach 50 Kilometern erreichten wir den Lake Wanaka und ab dort begann der Regen. Es war kein normaler Schauer, sondern strömender Regen. Die Straße führt durch das Gebirge und besteht fast nur aus Kurven. Rechts von der Straße entstanden durch den vielen Regen Wasserfälle. Wir konnten meist nicht weiter als 50 Metern sehen und hatten das eine oder andere Mal entsprechend Angst, von der Straße abzukommen. Zum Glück ging alles gut, die Fahrt zum Gletscher Franz Josef war aber auf jeden Fall ein Abenteuer!

 

Am Gletscher Franz Josef

Im strömenden Regen kamen wir im Ort Franz Josef an und fuhren direkt zum vereinbarten Treffpunkt. Da es regnete, entschieden wir uns für die öffentlichen Hotpools. Unsere zwei Freundinnen standen schon vor der Eingangstür und wir begannen zu realisieren, dass man sich zwei Monate nicht gesehen hat. Zwei Monate mögen sich vielleicht gar nicht einmal so lange anhören, aber die beiden gingen mit uns zur Schule und daher war man den täglichen Kontakt gewöhnt. Während wir also bei leichtem Nieselregen in den 40 Grad warmen Hotpools lagen, erzählten wir stundenlang, was der jeweils andere verpasst hatte.

Wir verbrachten den Abend in einem nahegelegenen Café und fuhren anschließend mit zu ihrem Hostel. Die Atmosphäre in Hostels ist immer toll, da die Leute dort viel offener und sozialer sind als auf den Campingplätzen. Spät nachts fuhren wir ein Stück weiter zu einem DOC Campingplatz, wo offenbar niemand anderes stand. Obwohl wir das Gefühl hatten, allein auf dem Platz zu sein, fühlten wir uns nicht unsicher – das habe ich mich bisher auch noch nie in Neuseeland.

Am Gletscher Franz Josef

Foto: Ronja Kassebaum, © MADSACK Media Store

Am nächsten Morgen konnten wir unsere Umgebung sehen und stellten fest, dass wir tatsächlich ganz allein auf dem Platz waren. Viel zu sehen gab es hier nicht, also fuhren wir zurück in den Ort und setzten uns in ein Café, da es mal wieder regnete. Wir verbrachten noch einige Zeit mit unseren Freundinnen, gegen Mittag ging es für uns wieder zurück nach Cromwell und für die beiden an die Ostküste. Die Rückfahrt war anfangs immer noch regnerisch. Wir hatten aber Glück, noch an der Westküste war es wieder trocken und wir konnten den wunderschönen Ausblick auf die Tasmanische See genießen.

Am Gletscher Franz Josef

Foto: Ronja Kassebaum, © MADSACK Media Store

 

Mein Fazit

Ein Ziel dieser Reise soll es ja sein, ein Stück weiter erwachsen zu werden. Jede Entscheidung, die ich hier treffe, ist komplett meine eigene und eigentlich niemand – außer Jasmin – kann etwas dagegen sagen. Das ist schon ein sehr großes Freiheitsgefühl. Ich bin mehr Kilometer auf der linken Seite der Straße hier in Neuseeland gefahren als daheim in Deutschland. Und gerade wenn die Wetterbedingungen nicht wirklich mitspielen, hat man besonders als Fahranfänger etwas Angst. Es gibt hier nicht viele Leitplanken, und wenn man eine Kurve nicht richtig fährt, kann man schnell von der Spur geraten. Aber dafür sind die meisten Strecken wunderschön – und man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben.

 

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