Wenn Fake-News gefährlich werden: die Momo-Challenge beunruhigt Eltern

Die Momo-Challenge beunruhigt Eltern.

Eine Puppe mit hervorquellenden dunklen Augen und langem schwarzen Haar sorgt derzeit für Angst und Schrecken in einigen Kinderzimmern – und entsprechend für Aufregung bei den Eltern. Was vielleicht als harmloser Streich begann, ist inzwischen bitterer Ernst: die Momo-Challenge geht viral.

 

Momo, die Monster-Puppe

Momo nennt sich eine – fiktive – Figur, die Kinder kontaktiert und sie dazu auffordert, verschiedene Dinge zu tun – etwa per WhatsApp oder in YouTube-Videos. Das Ganze kann ganz harmlos anfangen, die Heranwachsenden werden etwa dazu aufgefordert, länger wach zu bleiben, um sich verbotene Filme anzuschauen. Im Netz geistern allerdings auch allerlei Horrorgeschichten herum: So heißt es, es sei von Momo eine Drohung verschickt worden – wer diese nicht an mindestens 15 Kontakte weitersende, den würde die Puppe nachts in seinem Zimmer besuchen. Ein Kettenbrief, eine viral gehende Drohung.

 

Die Momo-Challenge

In Argentinien erhängte sich im letzten Jahr ein zwölfjähriges Mädchen – und zwar, weil sie von Momo dazu aufgefordert worden sei. Ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen der Puppe und dem tragischen Todesfall besteht, ist bislang aber nicht abschließend bewiesen.

Seit einiger Zeit allerdings häufen sich die Gerüchte: An den Suiziden zweier junger Männer in Indien, dem mehrerer Kinder in Kolumbien sowie je einem in Frankreich und Belgien soll Momo ebenfalls beteiligt sein. Auch hier gilt: Tatsächliche Zusammenhänge sind schwierig zu finden.

 

Was steckt hinter Momo?

Zunächst ist klar: Niemand muss tatsächlich, muss buchstäblich Angst vor der seltsamen Kreatur haben. Denn hinter der Puppe und der Momo-Challenge steckt niemand; keine Gruppierung, keine Einzelperson. Wer also etwa oben erwähnten Kettenbrief bekommt, muss sich nicht davor fürchten, dass jemand des Nachts in seine Wohnung einbricht.

Momo ist ein so genannter viraler Mythos. Die Angst vor der Puppe verbreitet sich weiter – durch die dezentralen Möglichkeiten des Internets ist das kein Problem. Ob nun ein aufstrebender Influencer eine Momo-Challenge in seinen YouTube-Videos verarbeitet oder jemand einen Kettenbrief bei WhatsApp im Namen der Horrorpuppe verschickt: einmal angestoßen, verbreitet sich das Phänomen immer weiter. Auch die Berichterstattung verläuft ähnlich: Irgendwo taucht das Gerücht über Momo auf, die Medien berichten davon, andere Organe nehmen die Meldung auf, Eltern machen sich Sorgen – und verbreiten Momos Erscheinen weiter.

 

Wenn Fake-News gefährlich werden

Wenngleich die Meldungen über Momo falsch sind, haben sie doch eine Wirkung – ein Kernprinzip von Fake News. Irgendwo auf der Welt entsteht eine falsche Meldung und geht viral. Fake News werden konsumiert, ungeprüft geglaubt und weiter verbreitet. Gefährlich ist also nicht eine ominöse Horrorpuppe, sondern die Aufmerksamkeit, die sie generiert.

Wenn Kinder sich der Momo-Challenge stellen, mag das vielleicht aus Angst geschehen – eventuell aber auch aus dem Wunsch nach einem Stück Berühmtheit im Internet heraus. In Zeiten von Selbstdarstellung auf Instagram und YouTube mag Momo als effizientes Mittel erscheinen, schnell Aufmerksamkeit anderer Nutzer zu generieren. Wirklich gefährlich wird es, wenn dem Online-Mythos, wenn der fiktiven Figur Glauben geschenkt, ihren teils drastischen Aufforderungen tatsächlich Folge geleistet wird. Die Frage ist allerdings: Ist dem so? Besteht tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Selbstverletzung oder gar Selbstmord und der Momo-Challenge, oder handelt es sich um ein weiteres – überaus makabres – Gerücht, das von irgendwo her seinen Ausgang nahm?

 

Und nun?

Zuerst tauchte Momo vermutlich bei WhatsApp auf – wenngleich sich das nicht mehr allzu leicht rekonstruieren lässt. Dort hatte die Puppe mehrere Accounts, die mittlerweile gesperrt wurden. Hinterlegt waren dort Handynummern aus Japan, Mexiko und Spanien. Momo ist nun aber in der Welt – und wird es vermutlich leider auch noch einige Zeit bleiben. Fakt ist außerdem, dass sich einige Kinder vor der Gestalt fürchten. Eltern sollten sich deshalb einbringen, mit den Heranwachsenden behutsam über das Thema sprechen und sie Schritt für Schritt für eine sichere, eine umsichtige Nutzung des Internets im Allgemeinen und sozialer Medien im Speziellen sensibilisieren.

Hinweis: Wir wollen Momo keinen Raum geben und verzichten deshalb bewusst auf eine Abbildung der Puppe.

 

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