Mal wieder Martin: Warum man Nightflyers besser sein gelassen hätte

Nightflyers: Kein Game of Thrones im Weltraum

George R. R. Martin ist ein Name, mit dem es sich vortrefflich werben lässt. Sofort schallt es überall: Game of Thrones! Klar, die Buchvorlage von HBO’s Serienflaggschiff ist schlicht und ergreifend ziemlich genial. Aber: Auch ein George R. R. Martin musste als Schriftsteller wachsen, bis er sein Opus magnum schreiben konnte. Ein Produkt dieser Wachstumsphase ist die Novelle Nightflyers, entstanden bereits in den 80er Jahren. Ausgerechnet diese Fingerübung haben Netflix und der US-amerikanische Sender Syfy dazu auserkoren, als Serienformat umgesetzt zu werden.

 

Die Erde ist mal wieder am Ende

Bereits der Auftakt von Nightflyers mutet nicht besonders originell an – die Erde ist mal wieder am Ende. Irgendwie haben wir es geschafft, den guten alten Planeten soweit herunterzuwirtschaften, dass wir gezwungen sind, auf ein Wunder zu hoffen. Besagtes Wunder hat der Astrophysiker Karl D’Brannin am Himmel entdeckt: In gar nicht mal so unerreichbarer Entfernung meint er, Kontakt zu einer unbekannten Spezies aufnehmen zu können. Genau, Aliens. Die Menschheit hat also mal wieder ihren Planeten kaputt gemacht und hofft nun, dass Außerirdische das Problem lösen können. Das war zur Entstehungszeit der Buchvorlage vielleicht noch innovativ – inzwischen kennt der geneigte Genrefan besagtes Szenario zur Genüge.

Karl zumindest erhält den Auftrag, Kontakt zu den Aliens herzustellen. Gesagt, losgeflogen. Dem Astrophysiker steht eine Crew zur Seite, für deren Auswahl von den Verantwortlichen wohl nicht allzu viel Aufwand betrieben wurde. Anders lässt sich der Soziopath an Bord, der allein mit seiner Gedankenkraft das Schiff zum Absturz bringen könnte, wohl nicht erklären …

 

Science Fiction und Philosophie

Nighflyers hat sich offenbar große Ziele gesetzt: Science Fiction und Philosophie sollen Hand in Hand gehen und tiefgreifende Fragen beantworten. Die Crew ist eine bunte Mischung verschiedener Geschlechter, Hautfarben und Orientierungen. Gemeinsam in einem gigantischen Raumschiff werden sie immer mehr zum Teil ihrer neuen Heimat: Wo endet der Menschen, wo beginnt die Maschine? Und: Wie unterscheiden wir uns von Computern, von Künstlicher Intelligenz, wenn wir diese Frage überhaupt stellen müssen?

Besagte Dinge zu thematisieren, hat ohne Zweifel großes Potential – das Nightflyers leider zum größten Teil verschenkt. Die Serie wirkt wie ein missglücktes Kammerspiel, voll von Logiklöchern und unglaubwürdigen Dialogen. Allein dass ausgerechnet mit D’Brannin ein so wenig spannender Charakter die mit Abstand längste Bildschirmzeit spendiert bekommt, wirft eine Frage auf, die Nightflyers generell betrifft: Was soll das Ganze?

 

Warum Nightflyers?

Die ganze Serie wirkt ein wenig, als hätte man sie nicht zu Ende gedacht. Als hätten die Verantwortlichen schnell nach irgendetwas gesucht, das sie mit dem Label „George R. R. Martin“ versehen können. Nur: Dieses Label reicht in Zeiten von Streaming und Quality TV eben nicht aus, ganz im Gegenteil. Wo der Name des Game of Thrones-Masterminds auftaucht, erwarten die Fans Qualität. Und zwar eine höhere als Nightflyers sie bietet.

 

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